Zwischen Kreuz und Hoffnung: Priester im Spannungsfeld der Gegenwart

Beim traditionellen Titularfest der Priestergemeinschaft Foedus Sacerdotale im Brixner Dom hat der aus Leifers stammende Apostolische Nuntius in Jordanien und Zypern, Erzbischof Giampietro Dal Toso, die Herausforderungen des priesterlichen Dienstes in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt. Vor dem Hintergrund sinkender Gottesdienstbesucherzahlen und einer wachsenden Distanz vieler junger Menschen zur Kirche rief er dazu auf, die christliche Hoffnung nicht aus dem Blick zu verlieren.

Das Foedus Sacerdotale vereint derzeit 106 Priester aus den Diözesen Bozen-Brixen und Innsbruck und begeht jedes Jahr am Fest der Verklärung des Herrn sein Titularfest im Brixner Dom.

Dal Toso sprach offen über die Belastungen des priesterlichen Alltags. Priester seien mit persönlichen Schwächen, pastoralen Enttäuschungen und Misserfolgen konfrontiert. Die Verklärung Jesu deutete er als Zeichen der Ermutigung: Sie nehme den Aposteln die bevorstehenden Leiden nicht, schenke ihnen aber Kraft und Zuversicht für ihren weiteren Weg. Auch für Priester gelte, dass christliche Hoffnung nicht im Ausblenden von Schwierigkeiten bestehe, sondern im Vertrauen darauf, dass Gott selbst durch Leid und Scheitern neues Leben eröffne. „Was können wir dem heutigen Menschen anbieten, wenn nicht die Auferstehung Christi?“, fragte der Erzbischof.

Im Anschluss an den Gottesdienst stellte die Historikerin und Diözesanarchivarin Erika Kustatscher ihre neue Monographie „Kanoniker und Kapläne um die Kathedra. Der niedere Klerus am Dom zu Brixen in siebeneinhalb Jahrhunderten“ vor. Das Werk widmet sich erstmals umfassend dem niederen Klerus am Brixner Dom und ergänzt die bisherigen Forschungen über die Domherren.

Im Mittelpunkt stehen die Chorherren des um 1215 gegründeten Kollegiatstiftes im Kreuzgang sowie die Inhaber der seit dem späten 13. Jahrhundert errichteten Dombenefizien. Neben der Feier von Messen und dem gemeinsamen Stundengebet übernahmen sie zahlreiche Aufgaben für Domkapitel und bischöfliche Kurie sowie in der Lehre. Da sie keine unmittelbaren seelsorglichen Verpflichtungen hatten, konnten sich viele auch Musik, Kunst und Wissenschaft widmen und hinterließen dort bis heute anerkannte Leistungen. Die Dombenefizien bestanden bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 1987.

Im Bild: Erzbischof Giovanni Pietro Dal Toso