Die Ermittlungen gegen rund 1.700 öffentliche Bedienstete wegen mutmaßlich gefälschter Sprachzertifikate sorgen derzeit für Diskussionen. Für Gabi Morandell, Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, steht jedoch fest: Der Fall dürfe nicht dazu führen, die Zweisprachigkeitsprüfung grundsätzlich infrage zu stellen.
„Die Zweisprachigkeitsprüfung ist für Südtirol keine bürokratische Hürde, sondern ein unverzichtbares Instrument zum Schutz unserer Sprachminderheit“, betont Morandell. Wer im öffentlichen Dienst tätig sei, müsse Bürgerinnen und Bürger sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch kompetent betreuen können.
Nach Ansicht der SVP-Politikerin zeigt der aktuelle Fall vielmehr, dass die Kontrolle von Sprachzertifikaten verbessert werden müsse. Die Konsequenz könne daher nicht lauten, die Zweisprachigkeitsprüfung abzuschaffen oder abzuwerten, sondern den Nachweis tatsächlicher Sprachkenntnisse weiter zu stärken.
Morandell verweist darauf, dass die Zweisprachigkeitsprüfung in den vergangenen Jahren bereits umfassend modernisiert wurde. Im Mittelpunkt stehe heute nicht mehr die klassische Übersetzung von Texten, sondern das Verständnis und die Fähigkeit, Inhalte in der jeweils anderen Sprache korrekt wiederzugeben. Auch organisatorisch sei das Verfahren vereinfacht worden: Die Anmeldung erfolge digital, und wer den schriftlichen Teil am Vormittag bestehe, könne bereits am Nachmittag zur mündlichen Prüfung antreten.
„Das ist der richtige Weg. Wir sollten dieses System weiterentwickeln und zu einem modernen, schnellen und vor allem verlässlichen Nachweis tatsächlicher Zweisprachigkeit ausbauen“, so Morandell.
Auch bei externen Sprachzertifikaten fordert sie klare Qualitätsstandards. Anerkannte Zertifikate seien grundsätzlich sinnvoll, entscheidend sei jedoch, dass sie tatsächlich die erforderlichen Sprachkompetenzen belegten. „Am Ende darf nicht das Papier zählen, sondern die Fähigkeit, sich sicher in beiden Landessprachen zu verständigen.“
Besonders wichtig sei dabei auch der Aspekt der Fairness. Es sei gegenüber all jenen, die über Jahre hinweg eine Sprache gelernt und die Prüfung ehrlich abgelegt hätten, nicht akzeptabel, wenn sich andere durch gefälschte oder unrechtmäßig erworbene Zertifikate Vorteile verschafften.
Für Morandell ist die Schlussfolgerung daher eindeutig: „Wir brauchen nicht weniger Zweisprachigkeit, sondern mehr echte Zweisprachigkeit. Ob Prüfung oder anerkanntes Zertifikat – entscheidend ist, dass dort, wo Zweisprachigkeit verlangt wird, diese auch tatsächlich vorhanden ist. Das schützt unsere Sprachminderheit und stärkt das Vertrauen in den öffentlichen Dienst.“
Im Bild: Gabi Morandell