Bozen erinnert an einen seiner bedeutendsten Bürgermeister: Dr. Christoph von Ach führt am 14. und 28. November durch die Stadt und beleuchtet das politische und städtebauliche Vermächtnis Julius Perathoners.
„Wir müssen auf der Höhe der Zeit stehen.“ Unter diesem Leitsatz steht eine besondere Stadtführung, die anlässlich des 100. Todestages von Julius Perathoner (1849–1926) in Bozen organisiert wird. Der Stadtviertelrat Zentrum–Bozner Boden–Rentsch lädt gemeinsam mit dem Museumsverein Bozen und dem Historiker Dr. Christoph von Ach zu einem Rundgang ein, der die Spuren eines Mannes sichtbar macht, der die Entwicklung der Südtiroler Landeshauptstadt entscheidend geprägt hat.
27 Jahre lang stand Julius Perathoner an der Spitze der Bozner Stadtverwaltung. Seine Amtszeit zählt zu den wichtigsten Modernisierungsphasen der Stadtgeschichte. In dieser Zeit wurden bedeutende öffentliche Bauvorhaben verwirklicht, darunter das neue Rathaus, das Stadtmuseum, das Stadttheater und mehrere Schulen. Auch die Verkehrs- und Energieinfrastruktur wurde wesentlich ausgebaut. Mit der Eingemeindung von Zwölfmalgreien wurden zudem wichtige Voraussetzungen für die weitere räumliche Entwicklung Bozens geschaffen.
Die sogenannte „Ära Perathoner“ war eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, des Fortschritts und der städtebaulichen Erneuerung. Ihr Ende wurde allerdings von den politischen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg überschattet. Anfang Oktober 1922, noch vor dem faschistischen „Marsch auf Bozen“, wurde Perathoner als Bürgermeister abgesetzt.
Geschichte an ihren Originalschauplätzen erleben
Während des historischen Rundgangs wird Dr. Christoph von Ach an mehreren Stationen das Leben und Wirken des ehemaligen Bürgermeisters nachzeichnen. Neben seinen städtebaulichen und politischen Leistungen stehen auch die gesellschaftlichen Veränderungen und Konflikte jener Zeit im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten damit die Gelegenheit, die Stadtgeschichte unmittelbar an jenen Orten kennenzulernen, an denen sie geschrieben wurde.
Perathoner sei eine prägende Persönlichkeit an der Schwelle zur modernen Stadtentwicklung Bozens gewesen, betont Dr. von Ach. Viele seiner Entscheidungen und Initiativen seien im heutigen Stadtbild noch immer erkennbar. Die Führung solle deshalb nicht nur historische Spuren sichtbar machen, sondern auch ein besseres Verständnis für die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche jener Epoche vermitteln.
Vermächtnis und Auftrag für die Zukunft
Auch für den Vorsitzenden des Stadtviertelrates Zentrum–Bozner Boden–Rentsch, Dr. Marco Manfrini, ist die Initiative ein wichtiger Beitrag zum Perathoner-Gedenkjahr. Perathoner habe gezeigt, dass die Entwicklung einer Stadt Mut, Weitblick und klare Visionen erfordere. Seine Überzeugung, dass sich eine Stadt kontinuierlich weiterentwickeln müsse, sei auch heute aktuell.
„Dabei gilt es, mutige Entscheidungen zu treffen und zugleich auf eine hohe architektonische und ästhetische Qualität zu achten“, unterstreicht Manfrini. Darin liege ein wesentliches Vermächtnis Perathoners und zugleich ein Auftrag für die zukünftige Entwicklung Bozens.
Der Stadtviertelrat wolle mit der Veranstaltung an eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte erinnern und sein Wirken für Bozen wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Ein besonderer Dank gelte dem Museumsverein Bozen und Dr. Christoph von Ach für ihre fachliche Unterstützung und ihr Engagement bei der Gestaltung des Rundgangs.
Zwei Termine in deutscher und italienischer Sprache
Der historische Stadtrundgang wird an zwei Samstagen jeweils um 10 Uhr angeboten:
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Deutsch: Samstag, 14. November 2026
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Italienisch: Samstag, 28. November 2026
Treffpunkt ist jeweils der Froschbrunnen in der Bahnhofsallee in Bozen. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 30 Personen pro Führung begrenzt.
Anmeldung: 2.3.0@gemeinde.bozen.it
Im Bild: Julius Perathoner/Portrait von C.D.Calabrese