Faire Löhne als Eintrittskarte: Neues Gesetz setzt Arbeitgeber unter Zugzwang

Das neue staatliche Gesetz zum gerechten Lohn („Salario Giusto“, Nr. 112/2026) ist in Kraft und bringt neue Regeln für angemessene Entlohnung und Beschäftigungsanreize. Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof sieht darin eine wichtige Chance für Südtirol – und zugleich eine Bestätigung der Sozialpartnerschaft.

„Die neue Regelung festigt die Kollektivverträge als Instrument für gerechte Löhne und belohnt jene Arbeitgeber, die ihre Mitarbeitenden fair bezahlen“, betont Amhof. Gerade angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol müsse jeder Spielraum genutzt werden, damit gute Arbeit auch entsprechend entlohnt werde. Das stärke die Kaufkraft und erhöhe zugleich die Attraktivität Südtirols als Arbeitsstandort.

Das Gesetz konkretisiert, woran sich eine angemessene Entlohnung künftig orientiert. Maßgeblich sind die repräsentativsten Kollektivverträge des jeweiligen Wirtschaftssektors. Berücksichtigt wird dabei das gesamte wirtschaftliche Paket, also der sogenannte TEC, der neben dem Grundlohn auch Zulagen sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld umfasst.

Gleichzeitig soll der Druck auf die Sozialpartner steigen, Kollektivverträge rechtzeitig zu erneuern. Läuft ein Vertrag länger als neun Monate aus, müssen Arbeitgeber künftig automatisch einen Vorschuss als Inflationsausgleich zahlen. Dieser beträgt 50 Prozent des Inflationsindex IPCA.

Eine zentrale Neuerung betrifft außerdem staatliche Beschäftigungsanreize. Unternehmen können diese künftig nur dann in Anspruch nehmen, wenn sie ihren Beschäftigten den kollektivvertraglich festgelegten gerechten Lohn bezahlen.

Damit verknüpft der Gesetzgeber die Förderung von Beschäftigung direkt mit fairen Arbeitsbedingungen. Unternehmen, die angemessene Löhne zahlen, sollen dadurch nicht gegenüber jenen ins Hintertreffen geraten, die sich über niedrige Löhne Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Zusätzliche Transparenzregeln sollen zudem dazu beitragen, Lohndumping und ausbeuterische Arbeitsbedingungen wirksamer zu bekämpfen.

Für Südtirol, wo die hohen Lebenshaltungskosten den Druck auf Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen erhöhen, könnte die neue Regelung damit zu einem wichtigen Instrument werden. Die Botschaft des Gesetzes ist klar: Wer von öffentlichen Beschäftigungsanreizen profitieren will, muss auch bereit sein, faire Löhne zu zahlen.