Sprachspiele / Linguaggi in gioco: Literatur, Kunst und gelebte Weitergabe im Atelier Sabine Auer

Wendelin Kugler/c-Stephan Fischnaller

Die bekannte Autorin und Kulturarbeiterin Sonja Steger prägt maßgeblich die Veranstaltungsreihe Sprachspiele / Linguaggi in gioco, die am Samstag, 7. November, um 17 Uhr im Atelier Sabine Auer am Klotznerhof in Schenna/Verdins ihren Abschluss findet. Auf dem Programm stehen eine Lesung mit Vera Zwerger Bonell aus ihrem Roman „Das Blau ferner Räume“ sowie ein Gespräch mit Ulrich Wielander und Wendelin Kugler über die neue ARUNDA-Ausgabe „Eduard und Wendelin Kugler. Weitergeben. Eine Stereografie“.

Der Abschlussabend verbindet Literatur, bildende Kunst und biografische Einblicke. Den literarischen Teil gestaltet Vera Zwerger Bonell. Die 1957 geborene Autorin ist ausgebildete Lehrerin und Psychologin und arbeitet als Therapeutin und Coach. Im Atelier liest sie aus ihrem Roman „Das Blau ferner Räume“, erschienen bei Edition Raetia.

Im Zentrum der Geschichte steht Herlinde, eine der wenigen Frauen, die im Mailand der 1930er-Jahre eine Kunstakademie besuchen. Von ihren Mitstudierenden liebevoll „Tiglio“, italienisch für Linde, genannt, sucht sie ihren Weg zwischen der Großstadt und dem dörflichen Umfeld ihrer Herkunft, zwischen Malerei und Brotberuf. Als sich ihre erste Liebesbeziehung anbahnt, bricht der Krieg aus und verändert ihr Leben grundlegend.

Einfühlsam zeichnet Zwerger Bonell das Porträt einer Frau, deren Lebensweg von den Schrecken des Faschismus, von Verlust und von der Suche nach Zugehörigkeit in der Welt der Kunst geprägt ist. Der Titel des Romans geht auf eine Bildvorstellung zurück, die im Buch anklingt: „Es werden reduzierte Bilder sein. Reduziert in der Farbwahl, reduziert in der Gegenständlichkeit. Luftbilder die einen, der Stachel des Schmerzes in den anderen. Ich habe alle zehn Bilder der Serie im Kopf und auch den Titel: Das Blau ferner Räume.“

Ein weiterer Schwerpunkt ist die druckfrische Ausgabe 110 der Kulturzeitschrift ARUNDA. Unter dem Titel „Eduard und Wendelin Kugler. Weitergeben. Eine Stereografie“ widmet sie sich dem Künstler Wendelin Kugler und seinem Vater Eduard. Die Herausgeber Ulrich Wielander und Wendelin Kugler stellen die Publikation vor und sprechen über die Lebens- und Schaffensgeschichten der beiden Männer.

Das Leitmotiv ist das Weitergeben von Wissen, handwerklichen Fähigkeiten und Inspiration über Generationen hinweg. Für Wendelin Kugler, akademischer Maler und Lehrer am Kunstgymnasium Meran, bildet dieses Prinzip eine wesentliche Grundlage seiner künstlerischen Arbeit und seiner pädagogischen Berufung. Sein Vater Eduard nahm einen ungewöhnlichen Lebensweg: Nach seiner Tätigkeit als Herrenschneider holte er das Abitur nach und wurde Lehrer am Realgymnasium. Daneben baute er Modellflugzeuge und brachte sich selbst den Geigenbau bei – ein Handwerk, das er auch seinem Sohn vermittelte.

Der Begriff „Stereografie“ ersetzt bewusst den geläufigen Ausdruck Monografie. Er verweist auf das Zusammenspiel zweier Persönlichkeiten und schlägt zugleich eine Brücke zur Welt der Musikinstrumente und des Klangs. Neben biografischen Einblicken enthält die Publikation eine Auswahl künstlerischer Arbeiten von Wendelin Kugler sowie Texte über Kunst und Geigenbau.

Die Präsentation der ARUNDA 110 und die begleitenden Ausstellungen werden anschließend an drei weiteren Orten fortgesetzt: Am 21. November ist die Publikation ab 17 Uhr im Schloss Kallmünz, Atelier Franz Pichler, in Meran zu sehen. Am 28. November folgt um 10.30 Uhr eine Veranstaltung in der Bibliothek Schlandersburg. Die letzte Station ist am 11. Dezember ab 17 Uhr Rapunzel Künstler- und Bastelbedarf in Eppan. An jedem Ort wird eine andere Auswahl an Werken gezeigt.

Zwischen Herlindes Suche nach ihrem Platz in der Welt und dem künstlerischen Vermächtnis zweier Generationen spannt sich an diesem Abend ein weiter Bogen. Beide Bücher erzählen auf ihre Weise davon, wie Erfahrungen, schöpferische Kraft und persönliche Prägungen ein Leben formen – und wie vieles davon über die eigene Zeit hinaus weiterwirkt.

Sprachspiele / Linguaggi in gioco ist ein gemeinsames Projekt der Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung (SAAV) und des ost west club est ovest.

Im Bild: Vera Zwerger Bonell/c-Gotthard Bonell

Eduard Kugler