Wie lassen sich wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Informationsveranstaltung der Handelskammer Bozen im Rahmen der nationalen Roadshow „Business for Good“. In Zusammenarbeit mit Si.Camera, Unioncamere und dem Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT) wurden die Chancen, Instrumente und rechtlichen Rahmenbedingungen von Benefit-Unternehmen vorgestellt.
Benefit-Unternehmen verfolgen neben dem Ziel der Gewinnerzielung ausdrücklich auch ein oder mehrere Ziele zum Gemeinwohl. Sie verpflichten sich zu verantwortungsvollem, nachhaltigem und transparentem Handeln gegenüber ihren Interessensgruppen, der Gesellschaft und der Umwelt. Das Modell ermöglicht es Unternehmen, wirtschaftliche Tätigkeit und positive gesellschaftliche Wirkung miteinander zu verbinden, und ist grundsätzlich in allen Branchen anwendbar.
Die Möglichkeiten reichen vom Einsatz umweltfreundlicher Materialien und nachhaltiger Produktionsverfahren über die Förderung der Kreislaufwirtschaft bis hin zu Bildungsangeboten und nachhaltigem Tourismus. In Italien wurde das Modell mit dem Gesetz Nr. 208 vom 28. Dezember 2015 rechtlich verankert. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann es einen Ansatz bieten, unternehmerische Ziele mit ökologischer und sozialer Verantwortung zu verknüpfen.
„Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, wirtschaftliche Ziele mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Das Modell der Benefit-Unternehmen kann dabei insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) interessante Perspektiven eröffnen“, erklärte Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen. Ziel der Veranstaltung sei es, Südtiroler Unternehmen zu informieren, Orientierung zu geben und konkrete Beispiele aus der Praxis aufzuzeigen.
Die fachlichen Beiträge beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Nach einer Einführung durch Monica Onori von Si.Camera erläuterte Professor Massimiliano Bonacchi von der Freien Universität Bozen das Benefit-Unternehmen als strategische unternehmerische Entscheidung. Notar Giorgio Bertolini aus Kaltern an der Weinstraße ging auf die rechtlichen Rahmenbedingungen in Italien ein. Georg Tiefenbrunner, Handelsregisterführer der Handelskammer Bozen, informierte über die Eintragung von Benefit-Unternehmen in das Handelsregister.
Wie sich das Modell im Unternehmensalltag umsetzen lässt, zeigten anschließend Yvonne Profanter, Head of Communication der Loacker AG, und Alessia Marescalco, Managing Director von Sidera Benefit, anhand ihrer Erfahrungen. Dabei stand die praktische Umsetzung der unternehmerischen Verantwortung im Mittelpunkt. Die abschließende Fragerunde bot den Teilnehmenden Gelegenheit, einzelne Aspekte zu vertiefen und persönliche Fragen direkt mit den Referentinnen und Referenten zu besprechen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Benefit-Unternehmen einen Rahmen bieten, um wirtschaftliches Handeln stärker mit gesellschaftlichem Mehrwert zu verbinden. Mit der Informationsinitiative möchte die Handelskammer Bozen Südtiroler Betriebe dabei unterstützen, sich mit diesem Unternehmensmodell auseinanderzusetzen und dessen Potenziale für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu erkennen.