Zwischen Milchhaus und Vatersprüngen: Zwei literarische Stimmen in der Alten Mühle

Am Freitag, 9. Oktober, um 19:30 Uhr wird die Buchhandlung Alte Mühle in Meran zum Treffpunkt für zwei literarische Perspektiven zwischen Sprache, Herkunft und Gegenwart. Im Mittelpunkt des Abends stehen die Südtiroler Autorin Nadia Rungger und der Schriftsteller Stefano Zangrando, deren aktuelle Bücher unterschiedliche, aber miteinander ins Gespräch tretende Zugänge zu Erinnerung, Identität und familiären Beziehungen eröffnen.

Nadia Rungger stellt ihren Gedichtband „cësa da lat dijes tu / milchhaus sagst du“ vor, erschienen im Limbus Verlag. Bereits der zweisprachige Titel verweist auf ein zentrales Moment ihrer poetischen Arbeit: Sprache wird zum Erfahrungsraum, in dem sich regionale Verwurzelung, Mehrsprachigkeit und persönliche Erinnerung überlagern. Das Gedichtbuch bewegt sich zwischen den Sprachen und macht deren Übergänge selbst zum literarischen Thema.

Stefano Zangrando präsentiert hingegen seinen Roman „I padri si saltano“, erschienen bei Arkadia Editore. Der italienische Autor nähert sich darin der Frage nach familiären Prägungen und den oftmals widersprüchlichen Beziehungen zwischen den Generationen. Der ungewöhnliche Romantitel – „Die Väter überspringt man“ – setzt dabei einen pointierten Akzent und lässt bereits erahnen, dass Zangrando mit Erwartungen an Herkunft und familiäre Rollen nicht zimperlich umgeht.

Dass beide Bücher im Rahmen von „Sprachspiele / Linguaggi in gioco“ vorgestellt werden, ist programmatisch: Hier begegnen sich nicht nur zwei literarische Werke, sondern auch unterschiedliche sprachliche und kulturelle Perspektiven. Der Abend fügt sich damit in ein Kulturprogramm ein, das Meran als Ort des Austauschs zwischen den Sprachen und Literaturen sichtbar macht.

Bereits am Vortag, Donnerstag, 8. Oktober, ab 16 Uhr, wird dieser Gedanke im öffentlichen Raum weitergeführt: Bei der Performance „Schwoaf-Eva-Umzug“ von Tanja Cassitti und Bruno Schlatter wird der historische Umzug der Meraner Metzgerzunft in die Gegenwart überführt. Der Zug setzt sich am Kornplatz in Bewegung, führt durch die Laubengasse und endet am Pfarrplatz. Vergangenheit und Gegenwart, lokale Geschichte und zeitgenössische Kunst treffen dabei unmittelbar aufeinander.

So spannt sich über beide Veranstaltungen ein gemeinsames Motiv: Sprache und Geschichte sind keine statischen Größen, sondern werden immer wieder neu erzählt, verschoben und mit Leben gefüllt. Die Lesung in der Alten Mühle verspricht entsprechend einen literarischen Abend, an dem Mehrsprachigkeit nicht bloß Hintergrund, sondern ein wesentlicher Bestandteil kultureller Wahrnehmung ist.

Foto, Performance: Schwoaf-Eva Umzug. Die Archäologin Tanja Cassitti und der Schweizer Künstler Bruno Schlatter mutieren den historischen Schwoaf-Eva Umzug der Meraner Metzgerzunft in die Gegenwart