Magnago-Denkmal sorgt für neuen Streit um Südtirols Erinnerungskultur

Die geplante Errichtung eines Denkmals für Altlandeshauptmann und ehemaligen SVP-Obmann Silvius Magnago auf dem Magnago-Platz in Bozen stößt auf entschiedenen Widerstand. Sowohl der Südtiroler Heimatbund (SHB) als auch die Süd-Tiroler Freiheit lehnen das Vorhaben ab. Im Mittelpunkt der Kritik steht zudem die geplante Verlegung des Laurin-Brunnens.

SHB-Obmann Roland Lang erkennt Magnago große politische Verdienste zu. Durch jahrelange Verhandlungen mit Rom und mit politischem Geschick habe er wesentliche Grundlagen für die heutige Südtirol-Autonomie geschaffen. Gleichzeitig sei Magnago jedoch entschieden gegen Selbstbestimmungsbestrebungen innerhalb und außerhalb der SVP vorgegangen und habe diese auch als Druckmittel in den Verhandlungen mit Rom eingesetzt.

Besonders kritisch bewertet der Südtiroler Heimatbund Magnagos Verhalten gegenüber den politischen Häftlingen der 1960er-Jahre. Lang wirft ihm vor, Berichte über Folterungen durch die Carabinieri über Jahre unter Verschluss gehalten und damit eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen verhindert zu haben. Auch Angehörige ehemaliger Häftlinge hätten Magnago als hart und gefühllos erlebt, als sie ihn um Unterstützung ersuchten.

Der SHB verweist zugleich auf eine spätere öffentliche Erklärung Magnagos aus dem Jahr 1976, in der dieser den Einsatz und die Opfer der Südtiroler Widerstandskämpfer anerkannte. Dennoch bleibe seine historische Rolle widersprüchlich. Magnago habe viel für Südtirol erreicht, den entscheidenden Schritt in Richtung Selbstbestimmung jedoch nicht gewagt, so die Position des Heimatbundes.

Aus diesem Grund lehnt der SHB ein monumentales Denkmal ab. Angemessen wäre nach Ansicht der Organisation eine Bronzetafel mit Bild und kurzem Lebenslauf, die über Magnagos politischen Einsatz informiert.

Auch die Süd-Tiroler Freiheit spricht sich gegen das geplante Denkmal und die Verlegung des Laurin-Brunnens aus. Die Partei kritisiert, dass der Brunnen erneut seinen Standort wechseln soll, während zahlreiche umstrittene Denkmäler aus der Faschistenzeit weiterhin unangetastet blieben. Genannt werden unter anderem die Beinhäuser in Innichen, Gossensaß und Burgeis, das Siegesdenkmal in Bozen, das Alpini-Denkmal in Bruneck sowie das Benito-Mussolini-Relief am Bozner Gerichtsplatz.

Die Süd-Tiroler Freiheit hat zu diesem Thema eine Landtagsanfrage eingebracht. Dabei soll unter anderem geklärt werden, ob das geplante Magnago-Denkmal als Vorwand für die Verlegung des Laurin-Brunnens dienen könnte und weshalb bei anderen umstrittenen Denkmälern keine vergleichbare Vorgangsweise gewählt werde.

Unbestritten seien Magnagos Verdienste um die Entwicklung der Südtirol-Autonomie, betont die Süd-Tiroler Freiheit. Gleichzeitig müsse seine Haltung zur Selbstbestimmung und sein Verhalten gegenüber den politischen Häftlingen der 1960er-Jahre kritisch hinterfragt werden.

Die Debatte geht damit weit über die konkrete Gestaltung des Magnago-Platzes hinaus. Sie berührt die grundsätzliche Frage, wie politische Persönlichkeiten erinnert werden sollen: durch monumentale Denkmäler oder durch eine historisch differenzierte Würdigung. Für SHB und Süd-Tiroler Freiheit steht fest: Eine Bronzetafel wäre angemessen – ein Denkmal hingegen nicht.

Im Bild: Bernhard Zimmerhofer