Zwischen Alpen und Algerien: ARTfair Innsbruck feiert 30 Jahre mit Bettina Heinen-Ayech

Zum Jubiläum setzt Österreichs traditionsreiche internationale Kunstmesse auf einen musealen Glanzpunkt: Die Bettina Heinen-Ayech Foundation München präsentiert seltene und teils erstmals öffentlich gezeigte Werke der deutsch-algerischen Malerin.

Drei Jahrzehnte ARTfair Innsbruck – und zum runden Geburtstag ein Blick zurück auf eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts: Vom 23. bis 25. Oktober 2026 verbindet die 30. Ausgabe der internationalen Kunstmesse in der Olympiaworld Innsbruck Gegenwartskunst mit kunsthistorischer Forschung und kulturellem Erbe.

Im Zentrum der Jubiläumsausgabe steht eine museale Sonderausstellung der Bettina Heinen-Ayech Foundation München. Erstmals präsentiert die Foundation das Werk der deutsch-algerischen Malerin Bettina Heinen-Ayech (1937–2020) in einer umfassenden Solo-Ausstellung im Rahmen einer internationalen Kunstmesse. Zu sehen sind ausgewählte Hauptwerke aus ihrem umfangreichen Nachlass – darunter zahlreiche seltene und teilweise bislang noch nie öffentlich präsentierte Arbeiten.

Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung einer Künstlerin nach, deren Werk zunehmend neue kunsthistorische Aufmerksamkeit erfährt. Bettina Heinen-Ayech entwickelte eine unverwechselbare Bildsprache, geprägt von leuchtender Farbe, unmittelbarer Naturbeobachtung und einer expressiven, zugleich sensiblen malerischen Handschrift. Ihre Landschaften sind keine bloßen Abbilder, sondern verdichten Licht, Atmosphäre und Bewegung zu einer eigenständigen visuellen Sprache.

Ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben war die Reise nach Algerien Anfang der 1960er-Jahre. Dort lernte sie den Architekten Mohammed Ayech kennen, den sie später heiratete. Nach der Unabhängigkeit Algeriens entschied sie sich bewusst für ein Leben in dem nordafrikanischen Land. Über Jahrzehnte entstand dort ein umfangreiches Werk, das Landschaften, Städte und Menschen Algeriens mit großer künstlerischer Eigenständigkeit festhält.

Gerade diese biografische Verbindung zwischen Europa und Nordafrika macht Bettina Heinen-Ayech zu einer besonderen Figur der europäischen Nachkriegskunst. In Algerien genießt sie bis heute einen außergewöhnlichen Stellenwert. Sie gilt als wichtige Kulturvermittlerin zwischen Europa und Nordafrika und als eine der bedeutenden europäischen Künstlerinnen, die Algerien über Jahrzehnte hinweg malerisch begleitet und dokumentiert haben.

Die Präsentation in Innsbruck rückt dabei nicht nur eine außergewöhnliche Malerin ins Blickfeld, sondern auch eine zentrale Frage der heutigen Kunstvermittlung: Wie lassen sich Kunstmarkt, Forschung und kulturelles Gedächtnis miteinander verbinden? Die ARTfair Innsbruck beantwortet diese Frage mit einem Ausstellungsschwerpunkt, der über die klassische Messepräsentation hinausgeht.

Seit ihrer Gründung vor 30 Jahren steht die ARTfair Innsbruck für Internationalität, Kontinuität und die Begegnung unterschiedlicher Positionen. Jährlich sind Galerien, Kunsthändler und Aussteller aus mehr als 20 Nationen vertreten. Das Spektrum reicht von internationaler zeitgenössischer Kunst über Klassische Moderne und Pop Art bis zu aktuellen Strömungen des 20. und 21. Jahrhunderts. Gemälde, Arbeiten auf Papier, Originalgrafiken, Auflagenobjekte, Skulpturen, Installationen, Fotografie und Neue Medien machen die Messe zu einem breit gefächerten Forum für Kunst und Austausch.

Mit der Jubiläumsausgabe erweitert die ARTfair Innsbruck dieses Profil um eine ausdrücklich museale Perspektive. Die Kooperation mit der Bettina Heinen-Ayech Foundation München steht exemplarisch für den Anspruch, Kunst nicht nur als Handelsgut, sondern auch als kulturelles und wissenschaftliches Gut zu verstehen.

„Die 30. Ausgabe der ARTfair Innsbruck ist für uns ein besonderer Anlass, den Blick nicht nur auf die Gegenwartskunst, sondern auch auf Künstlerpersönlichkeiten zu richten, deren Werk heute neue kunsthistorische Relevanz gewinnt“, betont Johanna Penz, Gründerin und Direktorin der ARTfair Innsbruck. Die erstmalige museale Präsentation von Bettina Heinen-Ayech im Rahmen einer internationalen Kunstmesse verbinde Kunstmarkt, kunsthistorische Forschung und kulturellen Austausch auf besondere Weise.

Die in München ansässige Bettina Heinen-Ayech Foundation widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung, Dokumentation und Digitalisierung des künstlerischen Nachlasses sowie dessen konservatorischer Sicherung. In Zusammenarbeit mit Museen, Universitäten, Stiftungen und Kulturinstitutionen entstehen Ausstellungen, Publikationen und Forschungsprojekte. Zugleich engagiert sich die Foundation für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland, Österreich, Algerien und dem Mittelmeerraum.

Damit führt sie ein Anliegen fort, das auch das Leben und Werk Bettina Heinen-Ayechs prägte: Kunst als verbindende Sprache zwischen Kulturen zu verstehen. Ihre Bilder entstanden zwischen Europa und Nordafrika – und erzählen bis heute von einer Welt, in der kulturelle Grenzen nicht als Trennlinien, sondern als Räume der Begegnung begriffen werden können.

Die 30. ARTfair Innsbruck macht diese Verbindung zum Programm. Während internationale Galerien und Kunsthändler aktuelle Positionen präsentieren und Sammler sowie Kunstliebhaber auf Entdeckungsreise gehen, setzt die Sonderausstellung der Bettina Heinen-Ayech Foundation einen historischen und zugleich hochaktuellen Akzent.

30 Jahre ARTfair Innsbruck – das Jubiläum wird damit nicht nur zum Rückblick auf eine erfolgreiche Messegeschichte, sondern auch zum Plädoyer für eine Kunst, die Märkte, Museen und Kulturen miteinander verbindet.

Factbox
30. ARTfair Innsbruck
23.–25. Oktober 2026
Olympiaworld Innsbruck
Aussteller aus mehr als 20 Nationen
Museale Sonderausstellung: Bettina Heinen-Ayech Foundation München
Schwerpunkte: Internationale zeitgenössische Kunst, Klassische Moderne, Pop Art und weitere Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts

Foto von Bettina Heinen-Ayech, 1976 in der Nähe von Guelma in Algerien/c-Archiv Bettina Heinen-Ayech Foundation

Heinen-Ayech Bettina, Sonnenblumenfeld in Algerien 1972 Bettina Heinen-Ayech Foundation