Die jüngsten Schließungen mehrerer Nachtlokale in Südtirol sorgen für eine hitzige politische Debatte. Nach den Maßnahmen gegen den Après-Club in Gargazon, die Diskothek „Hölle“ in Schlanders und zuletzt den Club Max in Brixen meldet sich nun die Süd-Tiroler Freiheit mit scharfer Kritik zu Wort.
Für den Landtagsabgeordneten Hannes Rabensteiner zeichnet sich ein bedenklicher Trend ab: Immer häufiger würden Lokale behördlich geschlossen, während das Fehlverhalten einzelner Besucher im Mittelpunkt stehe. Dadurch entstehe der Eindruck, so Rabensteiner, dass am Ende nicht die eigentlichen Verursacher von Gewalt zur Verantwortung gezogen würden, sondern die Betriebe selbst.
Besonders der Fall des Club Max in Brixen sorgt für Diskussionen. Das Lokal wurde laut Medienberichten für zwei Wochen geschlossen, nachdem es auf dem Parkplatz vor dem Betrieb zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit mehreren Verletzten gekommen war. Die Betreiber sehen sich dadurch mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen konfrontiert und schließen laut eigenen Angaben eine endgültige Aufgabe des Betriebs nicht aus.
Rabensteiner kritisiert diese Entwicklung scharf und stellt die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen infrage. Viele Lokale investierten in Sicherheitspersonal und versuchten, Risiken bestmöglich zu minimieren, so der Abgeordnete. Vorfälle außerhalb der Lokale könnten jedoch nicht allein den Betreibern angelastet werden.
In seiner Argumentation zieht Rabensteiner einen zugespitzten Vergleich: Ebenso wenig würde man eine ganze Bahnlinie einstellen, nur weil einzelne Fahrgäste ohne Ticket unterwegs seien. Mit dieser Analogie unterstreicht er seine Kritik an pauschalen Maßnahmen, die seiner Ansicht nach letztlich auch unbescholtene Jugendliche und Gäste treffen würden.
Die Süd-Tiroler Freiheit fordert daher ein Umdenken im Umgang mit solchen Fällen. Statt Betriebsschließungen brauche es gezielte Maßnahmen gegen die tatsächlichen Täter sowie einen stärkeren Einsatz staatlicher Sicherheitskräfte. Gleichzeitig solle die Landesregierung den Dialog mit der Quästur suchen, um ausgewogenere Lösungen zu finden.
Zugleich bleibt die Debatte politisch aufgeladen. Während Rabensteiner vor einer weiteren Erosion des Nachtlebens warnt und wirtschaftliche Schäden für die Betreiber in den Vordergrund stellt, sehen andere in den Maßnahmen ein notwendiges Instrument zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit.
Die Frage, wie viel Verantwortung Lokale für das Geschehen im Umfeld ihrer Betriebe tragen müssen, dürfte damit auch in Zukunft für politischen Zündstoff sorgen.
Foto, Hannes Rabensteiner