Wandern, Wandel und Wissen: „Walk & Talk“ bringt Klimathemen in Bewegung

Mit einem gelungenen Auftakt ist Ende April die Veranstaltungsreihe „Walk & Talk“ in Südtirol gestartet. Die Initiative verbindet Bewegung in der Natur mit fachlichem Austausch rund um Klimawandel, nachhaltige Landnutzung und regionale Herausforderungen. Die erste Wanderung führte von Klausen über Verdings bis zum Telfnerhof und stellte den Obstbau als zentrales Element der Südtiroler Kulturlandschaft in den Fokus.

Zahlreiche Interessierte – darunter Landwirtinnen, Fachleute und Bürgerinnen – nutzten die Gelegenheit, sich entlang der Strecke direkt vor Ort mit Expert*innen auszutauschen. Diskutiert wurde vor allem die Rolle von Apfelanlagen im Spannungsfeld zwischen Lebensmittelproduktion, Biodiversität und Klimaschutz.

Ein zentrales Thema war das Potenzial von Agri-Photovoltaik. Pascal Vullo vom Südtiroler Bauernbund erläuterte, dass bereits eine teilweise Überdachung von Obstbauflächen mit Solarmodulen einen relevanten Beitrag zur regionalen Energieversorgung leisten könnte. Studien deuten darauf hin, dass mögliche Ertragseinbußen durch zusätzliche Einnahmen aus der Stromproduktion kompensiert werden können – ein Ansatz, der Landwirtschaft und Energiewende miteinander verbindet.

Auch der Boden als Klimafaktor rückte in den Mittelpunkt. Lizzie Foley von der Freien Universität Bozen präsentierte Forschungsergebnisse zur Kohlenstoffspeicherung in begrünten Apfelanlagen. Sie betonte, dass insbesondere mehrjährige Kulturen wie Apfelbäume dazu beitragen, Kohlenstoff langfristig in tieferen Bodenschichten zu binden. Gesunde Böden seien daher ein entscheidender Baustein im Kampf gegen den Klimawandel.

Den Abschluss bildete der Besuch des Telfnerhofs, der für seine Streuobstwiese ausgezeichnet wurde. Dort stellte Luisa Menestrina Erkenntnisse zur Wahrnehmung von Ökosystemleistungen vor und zeigte Unterschiede zwischen intensiv bewirtschafteten Anlagen und traditionellen Obstgärten auf. Bei einer Führung durch die Streuobstwiese erhielten die Teilnehmenden zudem praxisnahe Einblicke und konnten hofeigene Produkte verkosten.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass nachhaltig bewirtschaftete Obstsysteme einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Neben innovativen Ansätzen wie Agri-Photovoltaik spielen auch reduzierte Pflanzenschutzmittel, gesunde Böden sowie geringere Emissionen entlang der gesamten Produktionskette eine zentrale Rolle.

Die Reihe „Walk & Talk“ wird in den kommenden Monaten fortgesetzt und widmet sich weiteren Aspekten des Klimawandels in Südtirol. Geplant sind unter anderem Veranstaltungen zu CO₂-Monitoring in Wäldern, Wasserkraft im Ultental sowie den langfristigen Folgen des Sturms Vaia. Ziel bleibt es, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu vermitteln und den Dialog zwischen Forschung, Praxis und Gesellschaft zu fördern.

Foto, Walk and Talk Lizzey Foley über Boden und Begrünung als Kohlenstoffspeicher