Mit der Ausstellung „Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte“ eröffnet die Österreichische Nationalbibliothek ab dem 20. März 2026 im Prunksaal (Josefsplatz 1, Wien) einen eindrucksvollen Parcours durch die Kulturgeschichte der Liebe. Die Schau lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, eines der stärksten menschlichen Gefühle in all seinen Facetten zu entdecken – sinnlich, emotional und intellektuell.
Anhand kostbarer Handschriften, literarischer Werke, musikalischer Kompositionen und historischer Dokumente wird die Liebe als zentrale Triebkraft künstlerischen Schaffens sichtbar. Von antiken Schöpfungsmythen über die mittelalterliche Minne bis hin zu Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schnitzler oder Ingeborg Bachmann spannt sich ein weiter Bogen durch mehr als zwei Jahrtausende.
Die Ausstellung beleuchtet unterschiedliche Erscheinungsformen der Liebe: als Selbstliebe, als spirituelle Hingabe, als leidenschaftliche Beziehung oder als Nächstenliebe. Dabei werden auch ambivalente und dunkle Seiten thematisiert – von unerreichbaren Idealen über verbotene Beziehungen bis hin zu Liebeswahn und tragischen Schicksalen.
Ein Schwerpunkt liegt auf den Ursprüngen: Der biblische Schöpfungsbericht von Adam und Eva sowie Platons Mythos der Kugelmenschen eröffnen den Rundgang. Letzterer wird in einen spannenden Dialog mit Sigmund Freuds psychoanalytischen Deutungen gesetzt. Ebenso präsent ist der Mythos von Narziss, der für die Gratwanderung zwischen Selbstliebe und Isolation steht.
Literarische Figuren wie Dante und seine Beatrice, Don Quijote und seine idealisierte Dulcinea oder Goethes Werther verdeutlichen die Kraft unerfüllter Liebe. Tragische Liebespaare wie Tristan und Isolde sowie musikalische Werke von Beethoven und Wagner zeigen, wie eng Liebe und Leid miteinander verwoben sein können.
Auch Macht, Verführung und gesellschaftliche Zwänge werden thematisiert: Die Figur des Don Juan, von Tirso de Molina bis zu Mozarts „Don Giovanni“, steht exemplarisch für das Spiel mit Begehren und Moral. Ergänzt wird die Schau durch bewegende Liebesbriefe und persönliche Zeugnisse – unter anderem von Ingeborg Bachmann, Paul Celan oder Ludwig Wittgenstein.
Darüber hinaus widmet sich die Ausstellung der Nächstenliebe als gesellschaftlicher Verantwortung. Historische Objekte, vom antiken Papyrus bis zu modernen Sozialinitiativen, dokumentieren die Entwicklung organisierter Fürsorge.
Ein besonderes Highlight sind die Hörstationen, an denen Musikwerke wie Glucks „Orfeo ed Euridice“, Schuberts „Winterreise“ oder Wagners „Tristan und Isolde“ sowie Gedichte bedeutender Autorinnen und Autoren erlebbar werden – eindrucksvoll gelesen von Burgschauspieler Markus Meyer.
Interaktive Elemente laden dazu ein, eigene Liebesbotschaften zu hinterlassen, während Veranstaltungsformate wie „Kultur-Speed-Meeting“ oder „Kultur-Dateabend“ den Ausstellungsbesuch zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis machen.
„Weltmacht Liebe“ ist damit weit mehr als eine klassische Ausstellung: Sie ist eine vielschichtige Annäherung an ein Gefühl, das seit jeher Menschen bewegt – zwischen Glück und Schmerz, Freiheit und Abhängigkeit, Vergangenheit und Gegenwart.
Im Bild: Mozart Figaro