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Für mehr Mut im Netz

2 Ottobre 2019

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Für mehr Mut im Netz

Am morgigen 3. Oktober wird in der Diözese Bozen-Brixen das liturgische Gedenken an Josef Mayr-Nusser begangen. Bis 2017 waren die Gebeine von Josef Mayr-Nusser in der Kirche von Lichtenstern bestattet. Das Haus der Familie verweist auf die Kraft des Seligen aus Bozen, der den Eid auf Hitler verweigerte: „Wir brauchen heute viel mehr Mut gegen populistisches Gedankengut zu schwimmen – vor allem in den sozialen Medien“, betont der Präsident des Bildungshauses Heiner Oberrauch. Soziale Medien würden immer mehr zu asozialen Kommunikationsträgern. Schwächere und Ausgegrenzte bräuchten starke Fürsprecher.

Auf Facebook, Twitter, Instagram und in anderen sozialen Netzwerken werden Fakten verdreht, bewusst falsche Nachrichten verbreitet, unhaltbare Behauptungen veröffentlicht und Richtigstellungen übersehen: „Der erste Aufschrei bleibt immer hängen“, sagt der Präsident des Bildungshauses. „Wer vom Online-Mob überfallen wird, ist ihm hilflos ausgeliefert.“ Verpuffte eine Beleidigung früher bald nach ihrer Äußerung, haben beleidigende Kommentare heute im Netz eine lange Lebensdauer und lösen meist eine Welle an weiteren Beschimpfungen aus. Algorithmen belohnen Emotionen und Empörung mit besonderer Aufmerksamkeit und Reichweite. Wer von einer Hasslawine, einem Shitstorm im Netz betroffen war, weiß von der psychischen Gewalt, die Menschen dabei widerfährt. Die Belastungen sind riesengroß.

Die Sprache im Netz verroht zusehends. Wenn Panik über Fakten triumphiert, Lügen nur als ‚alternative Fakten’ bezeichnet werden, der Einzelfall gewichtiger wirkt als das Ganze, Schuldzuweisungen und Beschimpfungen keine Konsequenzen haben und aus Falschmeldungen durch vielfaches Teilen vermeintliche Wahrheit wird, dann sei Solidarität gefragt: Die Angst im Netz schaukle sich ansonsten noch weiter hoch – und damit verbunden Druck und Ausgrenzung.

Das Haus der Familie am Ritten bietet immer wieder Weiterbildungen für eine „gesunde“ Handhabung von sozialen Medien, von Smartphone und Internet an. „Dabei hören wir auch von schlimmen Vorfällen und Panikmache.“ Menschengruppen würden pauschal verurteilt und öffentlich verachtet, junge Leute gemobbt und auf Äußeres reduziert, Frauen zum Sexualobjekt degradiert.

„Es ist notwendiger denn je, die Realität zu überprüfen“, plädiert der Präsident des Rittner Bildungshauses. Es brauche Verständnis und Mut, sich auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Gefragt seien Respekt, Nachfrage und Recherche. Die metaphorischen Räume verkämen ansonsten zu Räumen voller Hass und Häme. In der vermeintlichen Anonymität übertragen Menschen eigene Probleme ungefiltert auf andere. „Lernen wir, uns im Internet so zu bewegen, als würden wir der Person gegenüberstehen und ihr das ins Gesicht sagen.“

Heiner Oberrauch erinnert an den Südtiroler Seligen: „Josef Mayr-Nusser stellte sich gegen den Mainstream, auch wenn er ahnte, dass ihn seine Eidesverweigerung das Leben kosten würde. Und doch ist er seinen Weg konsequent gegangen.“ Er habe den Mut aufgebracht, die Stimme gegen das nationalsozialistische und rassistische Gedankengut zu erheben. ‚Zeugnis geben ist heute unsere einzige, schlagfertigste Waffe’, hat Josef Mayr-Nusser bereits 1938 geschrieben. „Seien wir im Jahr 2019 mutig, uns vor Schwächere zu stellen. Auch in den sozialen Medien können wir gemeinsam für einen menschenwürdigen Umgang miteinander sorgen“, plädiert Heiner Oberrauch.

Anlässlich des morgigen Erinnerungstages an Josef Mayr-Nusser findet um 7.15 Uhr in der Waldkirche von Lichtenstern eine Gedenkfeier mit Toni Fiung statt. Eingeladen sind die Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Mitglieder des Hauses der Familie, außerdem in Südtiroler Vereinen und Verbänden gesellschaftspolitisch engagierte Menschen. Anschließend lädt das Haus der Familie zum gemeinsamen Frühstück ein.

Zur Person Josef Mayr-Nusser
Josef Mayr wurde am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof am Bozner Boden geboren. Nach dem Abschluss der Handelsschule wurde er kaufmännischer Angestellter in Bozen. Bei der Option 1939 entschloss sich Josef Mayr, entgegen der Mehrheit der SüdtirolerInnen, in der Heimat zu bleiben. Am 26. Mai 1942 heiratete er Hildegard Straub. Ein gutes Jahr später kam Sohn Albert zur Welt. Josef Mayr trat unter anderem der Bozner Vinzenzkonferenz bei und lebte so sein Christsein im Alltag. 1944 wurde er zur SS einberufen. Einen Tag vor der Eidesleistung erklärte Josef Mayr, dass er den Eid auf Hitler aus Gewissensgründen nicht leisten könne. Er wurde in Danzig wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tod verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Auf dem Weg dorthin ist Josef Mayr am 24. Februar 1945 in Erlangen in einem Viehwaggon seinen Strapazen erlegen. Am 1. März 1945 wurde er in Erlangen begraben. Im Februar 1958 wurden seine Gebeine nach Südtirol überführt und in der Kirche von Lichtenstern beigesetzt. Am 18. März 2017 wurde Josef Mayr-Nusser im Bozner Dom selig gesprochen. Seine sterblichen Überreste sind seither im dortigen Märtyreraltar bestattet. Bischof Ivo Muser hat den 3. Oktober zum liturgischen Gedenktag an Josef Mayr-Nusser bestimmt: Das ist der Vortag jenes Tages, an dem sich Mayr-Nusser (im Jahr 1944) geweigert hat, aus religiösen Gründen den Treueeid auf das nationalsozialistische Regime zu schwören.  

Im Bild: Josef Mayr Nusser.  

 

 

 

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