Die Entscheidung des Lidos in Salurn, nach Betriebsschluss einmal pro Woche eine Stunde ausschließlich muslimischen Frauen zu widmen, sorgt für eine politische Debatte über Integration, Teilhabe und die Frage, wie viel gesellschaftliche Vielfalt eine öffentliche Einrichtung sichtbar machen darf.
Unterstützung erhält die Initiative von der SVP-Senatorin und Vorsitzenden der Autonomiegruppe, Julia Unterberger. Für sie handelt es sich um eine „Geste der Sensibilität und sozialen Inklusion“. Es brauche eigentlich nur ein wenig gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, dass das Angebot ein Zeichen der Offenheit sei, so Unterberger.
Die Argumentation der Senatorin: Die zusätzliche Schwimmstunde könne Frauen erreichen, die das Schwimmbad unter den üblichen Bedingungen wahrscheinlich nicht besuchen würden. Sie ermögliche es ihnen, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen öffentlichen Raum zu nutzen.
Für Unterberger ist das keine Ausgrenzung, sondern im Gegenteil ein zusätzlicher Zugang zur Gesellschaft. Integration bedeute nicht, Menschen erst dann als Teil der Gesellschaft anzuerkennen, wenn sie sämtliche Lebensgewohnheiten der Mehrheitsgesellschaft übernommen hätten.
Damit stellt sie sich zugleich gegen die Kritik aus Teilen der politischen Rechten. Der Vorwurf, ein ausschließlich Frauen vorbehaltenes Zeitfenster fördere die Geschlechtertrennung oder reduziere Frauen auf ihr Geschlecht, greife zu kurz, so Unterberger.
Emanzipation, argumentiert die SVP-Senatorin, entstehe nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Freiheit und mehr Möglichkeiten zur Teilhabe. Gerade für muslimische Frauen könne ein geschützter Rahmen eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, öffentliche Räume zu nutzen und soziale Kontakte zu pflegen.
Die Debatte zeigt einmal mehr, wie schnell konkrete Integrationsmaßnahmen zum politischen Kulturkampf werden. Die einen sehen in der Initiative ein pragmatisches Angebot, das Barrieren abbauen kann. Die anderen fürchten, dass getrennte Angebote gesellschaftliche Trennlinien eher festigen als überwinden.
Unterberger setzt dagegen auf einen pragmatischen Integrationsbegriff: Nicht jede zeitlich begrenzte Sonderregelung sei automatisch ein Schritt zurück. Entscheidend sei vielmehr, ob dadurch Menschen ausgeschlossen würden – oder ob ihnen neue Möglichkeiten eröffnet werden.
Im Fall des Lidos von Salurn ist ihre Antwort eindeutig: Eine zusätzliche Stunde im Schwimmbad sei kein Rückzug aus der Gesellschaft, sondern für jene Frauen, die das Angebot nutzen, möglicherweise genau der erste Schritt hinein.
Im Bild: Julia Unterberger