„Wenig zu gewinnen, aber sehr viel zu verlieren“: Erfolgreicher Flughafenabend in Tramin

Über 120 Personen folgten der Einladung der Süd-Tiroler Freiheit in Tramin zum Infoabend über das bevorstehende Flugplatzreferendum. Das Fazit der Referenten und der Wortmeldungen aus dem Publikum war eindeutig: Auch mit dem neuen Entwicklungskonzept wird der Flughafen dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Für das ohnehin stark belastete Unterland würde ein Ausbau noch mehr Umwelt- und Lärmbelastung bedeuten.

Stefan Zelger, Mitglied der Landesleitung der Süd-Tiroler Freiheit und Ortssprecher in Tramin, ging auf die Finanzierung des Flughafens ein: „Die Behauptung, dass der Flughafen die nächsten Jahre ‚nur‘ 2,5 Millionen pro Jahr kosten würde, spiegelt nicht die ganze Wahrheit wider. Die mit öffentlichen Geldern subventionierte Handelskammer steuert ebenfalls kräftig bei“, betonte Zelger. Einige erhebliche Kosten seien erst gar nicht in das neue Konzept eingerechnet worden. Johann Frank, der Entwickler des neuen Flughafenkonzepts, wurde bei einer Anhörung im Landtag gefragt, ob er sein eigenes Geld investieren würde. Seine ehrliche Antwort war: „Ein Privater müsste die Caritas sein, um einen Flughafen wie Bozen zu betreiben!“

Christoph von Elzenbaum, Mitglied des Mediationsteams 2007, beschäftigt sich seit Jahren mit den negativen Auswirkungen des Flughafens bzw. des Flugverkehrs auf die Umwelt. Er pflegt enge Kontakte zu Universitätsprofessoren und Flugexperten. Seine Schlussfolgerungen waren eindeutig: „Die erlaubten Schadstoff-Grenzwerte im Unterland werden bereits jetzt oft um das doppelte Überschritten. Ein Ausbau des Flughafens würde die Situation verschärfen!“ Bis 2020 müsse in der Einflugschneise mit der Schadstoffbelastung aus der Verbrennung von 1,36 Millionen Kilogramm Kerosin gerechnet werden. Von Elzenbaum verglich die Situation im Unterland mit jener im Nord-Tiroler Inntal: „Dort sind Erkrankungen aufgrund der Umweltbelastungen durch Autobahn und Flughafen stark angestiegen. Im Unterland sind die Schadstoffwerte bereits jetzt höher als im Inntal!“

Landtagsabgeordnete Myriam Atz Tammerle betreibt selbst einen Gastronomiebetrieb in Schenna. Die Behauptung, Süd-Tirol sei nicht erreichbar, ließ sie nicht gelten: „Süd-Tirol weist eine der höchsten Tourismusdichten ganz Europas auf. Auch die letzte Sommersaison ging als Rekordsaison in die Geschichte ein, obwohl der Flughafen in dieser Zeit komplett stillstand“, unterstrich Atz Tammerle. „Von den über sechs Millionen Gästen reisen bereits vier Prozent über die umliegenden Flughäfen an. Hier gelte es anzusetzen und die Zubringerdienste zu verbessern.

Als unsinnig bezeichnete Landtagsabgeordneter Sven Knoll einige wichtige Annahmen im neuen Flughafenkonzept: „Laut dem neuen Plan verfüge die Region Süd-Tirol über ein Einzugsgebiet von einer knappen Million Einwohner. Süd-Tirol hat aber insgesamt nur ca. 340.000 Einwohner, die überhaupt für Flüge infrage kämen. Warum sollten Bewohner, die im Einzugsgebiet der Flughäfen Innsbruck, München, Verona, Bergamo, Mailand usw. daheim sind, nach Bozen fahren, wenn in ihrer Nähe größere Flughäfen mit besseren Angeboten liegen?!“ fragte Knoll in die Runde.

Aus dem Ahrntal war Landtagsabgeordneter Bernhard Zimmerhofer nach Tramin gekommen. Er rief die zahlreichen Zuschauer dazu auf, selbst Multiplikatoren für ein Nein bei der Volksabstimmung am 12. Juni zu werden. „Es geht um unser aller Geld und um unser aller Lebensraum. Setzen wir ein deutliches Zeichen!“

Den Ausführungen schlossen sich auch zahlreiche Bürger im Publikum an, darunter Tramins Bürgermeister Wolfgang Oberhofer und Landtagsabgeordneter Oswald Schiefer. Mit einem Umtrunk wurde der Abend im Bürgerhaus ausklingen gelassen.

 

 

 

 

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