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Begegnungen der besonderen Art- wenn Geborgenheit auf Flucht trifft

5 Giugno 2015

Begegnungen der besonderen Art- wenn Geborgenheit auf Flucht trifft

Begegnungen der besonderen Art- wenn Geborgenheit auf Flucht trifft

Meine Arbeit und Eindrücke als „freiwillige Freiwillige“ am Bozner Bahnhof

Seit einem Monat nun arbeite ich als „freiwillige Freiwillige“ am Bahnhof, um dort den Flüchtlingen zu helfen.  Mein Name ist Sadbhavana, kurz: Sadi. Und: Ich helfe aus humanitären Gründen. Es gibt, die Flüchtlinge betreffend, einen berühmten Slogan: „Kein Mensch ist illegal.” Er drückt auch meine Überzeugungen aus. Claudio Calabrese hat mir freundlicherweise erlaubt, einen Gastbeitrag für die Online-Zeitung „Buongiorno Südtirol“ zu schreiben.

Wie alles begann

Schon länger habe ich die Situation der Flüchtlinge am Bozner Bahnhof beobachtet. Waren es vor einiger Zeit noch zehn bis zwanzig von ihnen, sind es mit der Zeit immer mehr und mehr geworden. Ich habe ihre Augen gesehen und habe das Bedürfnis verspürt sie anzusprechen. Aber ich konnte nicht. Ich war unsicher, schüchtern, möglicherweise ließ sich meine innere Stimme zu sehr von einigen Vorurteilen leiten. Was soll man auch bitteschön zu einem Flüchtling sagen?

Und trotzdem habe ich gewusst, ich kann nicht mehr zusehen.

Inzwischen sehe ich die ganze Situation völlig anders, ich bin entspannter, diese leichte Angst vor dem Fremden ist der Neugierde, den neuen Freundschaften und meinen Überzeugungen, dass kein Mensch illegal ist und jeder, der Hilfe braucht, sie auch bekommen soll, gewichen. Ich weiß nun, dass ein freundliches Lächeln viel für beide Seiten bedeuten kann. Mitte April habe ich dann beschlossen, etwas zu tun. In der Folge habe ich auf Facebook „Flüchtlinge“ und „Südtirol“ eingegeben und die Seite „Winterhilfe für Flüchtlinge – Südtirol” gefunden.  Eine kurze Zeit lang war ich stille Mitleserin, bis ein erstes Treffen einberufen worden ist. Seitdem bin ich regelmäßig am Bahnhof Bozen und bei manchen internen Zusammenkünften dabei, die spontan in einer Bar abgehalten werden.

Wer sind wir „freiwillige Freiwilligen“?

Da wir „freiwillige Freiwilligen“, wir „liberi cittadini“, an keinen Vertrag oder Organisation gebunden sind, genießen wir einen größeren Spielraum unsere Entscheidungen und Taten betreffend. Wir fungieren als ein kritisches Auge der Öffentlichkeit und können unsere Turnusse nach Belieben einteilen. Durch Frau Verena Hafner, Frau Lea Mair und Frau Kathrin Oberrauch sind wir beim Koordinierungstisch vertreten und arbeiten gemeinsam mit „Volontarius“ und der „Caritas“ laufend für Verbesserungen, pflegen u.a. auch Kontakt zu Helferinnen und Helfern aus Mailand und Trient und arbeiten sehr oft auch von zuhause aus. Diese Tätigkeit machen wir vollkommen ehrenamtlich. Natürlich widerspiegelt dieser Artikel die Sicht einer aktiven Akteurin.

Aufgaben

Die Aufgaben von den Freiwilligen, den Ehrenamtlichen und Angestellten von „Volontarius“ unterscheiden sich eigentlich nur im Rahmen der Handlungsfähigkeit. Wir sind, wie bereits gesagt, an keinen Vertrag gebunden und an keine Organisation, dennoch versuchen wir alle zusammen, immer am selben Strang zu ziehen. Wir füllen „Proviantsäckchen“, „Hygienetüten für Frauen“ und teilen sie aus. Wir leisten den Flüchtlingen Gesellschaft, putzen jeden Tag mehrmals den Saal am Bahnhof. Wir bemühen uns um Aufklärung und sind an der Organisation der Flüchtlingsbetreuung beteiligt. Bei der Pressekonferenz haben wir z.B. einen kleinen Flashmob veranstaltet, um unsere Überzeugungen auszudrücken.

Ein Proviantsäckchen („Essenssackerl“) enthält:

  • 1 Frucht
  • 1 Dose Thunfisch
  • 1 aufgeschnittene Semmel
  • 1 Serviette
  • 1 Plastikteller (wenn vorhanden)
  • 1 Plastikgabel (und anderes Plastikbesteck, wenn vorhanden)
  • 1 Brioche
  • 2 Crackerpackungen
  • Wenn vorhanden 1 Fruchtsaft
  • Je nach Bedarfsfall 1 Kit bestehend aus:
    • 1 Zahnbürste
    • 1 Zahnpasta (manchmal ist diese auch in der Bürste eingearbeitet)
    • 1 Mini-Seife
    • 1Papiertaschentuchpackung
    • Manchmal Mini- Duschgel und Mini- Shampoo, wenn vorhanden

Ein Hygienesäckchen für Frauen („Frauensackerl“) enthält:

  • 1 Unterhose
  • 6 Binden
  • 1 kleine Packung Frischetücher

Erlebnisse und Eindrücke

In meiner Zeit, die ich am Bahnhof Bozen verbringe, erlebe ich wahnsinnig viel. Schönes, Schlimmes, Aufregendes, Trauriges. Ein Gefühlscocktail, der schwer zu beschreiben ist. Fäden werden gesponnen. Zwischen Welten und Menschen, die alle so anders sind und sich doch so ähneln. Geschichten prallen aufeinander und verschwimmen und neue Freundschaften werden geknüpft. Die meisten Menschen auf der Flucht stammen aus Eritrea, Syrien und Somalia. Sie sind reine Kriegsflüchtlinge mit erschütternden und unglaublich schlimmen Geschichten. Viele Flüchtlinge haben dem Tod ins Auge gesehen. Trotz allem haben sie ihren Lebensmut und ihr Lächeln nicht verloren und ich bewundere sie dafür.

Die Polizei und die Flüchtlinge

Wenn die Flüchtlinge am Bahnhof mit dem nächsten „Eurocity“ nach Norden weiterfahren wollen, entsteigen meistens österreichische oder deutsche Polizisten den Waggons und lassen sie nicht einsteigen. Sie fragen dabei jedoch selten bis nie nach Dokumenten, sondern achten auf die Äußerlichkeiten. Ein paar Männer wurden z.B. trotz der vorhandenen Dokumente wieder aus den Waggons „geschmissen”. Von der österreichischen oder deutschen Polizei. Es hat sich hinterher herausgestellt, dass es sich dabei um kanadische Touristen gehandelt hat, die alle Dokumente vollständig in ihren Händen gehalten haben. Hätten sie diese Polizisten verklagt, hätten sie zu hundert Prozent Recht bekommen, da es sich in diesem Fall mal wieder um „Racial profiling“ handelt. „Racial profiling“ betreibt die Polizei, wenn sie Menschen aufgrund ihres Aussehens als verdächtig einstuft.

Bürger

Die Anteilnahme der Bevölkerung erfreut uns alle sehr. Da sind z.B. ganze Schulklassen, die sich auf die Suche nach Hygieneartikeln oder Lebensmitteln machen, da ist die ältere Dame, die inzwischen bekannt ist. Jede Woche bringt sie etwas zum Camper vor der Station oder lässt sich auf den neusten Stand bringen. Da sind die ganzen jungen BürgerInnen, die eigens kommen, um zu fragen, was wir brauchen. Die Solidarität ist wirklich beeindruckend. Ich möchte mich hier als Freiwillige für die Solidarität und die Spendenbereitschaft der Menschen bedanken. Danke für Ihre, eure, deine wertvolle Unterstützung am Bahnhof, fürs Engagement und die Hilfe, die uns entgegengebracht wird. Sie alle sind der Grund, warum wir hier unsere Tätigkeit fortführen können und dafür sind wir Ihnen unendlich dankbar.

Wichtige Informationen

Am Ende möchte ich noch einige wichtige Informationen bekannt geben. Wir „freiwillige Freiwilligen“ haben auch eine Art „Koordinierung“. Sie besteht im engeren Sinn aus Frau Verena Hafner, Frau Lea Mair und Frau Kathrin Oberrauch. Sie sind Teil des Koordinierungstischs, der regelmäßig von Landesrätin Fr. Martha Stocker einberufen wird um über die Situation und die bestmögliche Hilfestellung, die Flüchtlinge betreffend, sich zu beraten.  Wir besitzen eine E-Mail Adresse um Fragen zu beantworten und um neuen Freiwilligen Hilfestellungen und Erklärungen geben zu können. Sie lautet: binario1.bz@gmail.com. Bitte dabei Nachname, Vorname und E-Mail Adresse angeben. Eine gute Idee ist es zudem die Handynummer anzugeben um erreichbar zu sein für Fragen odg. und bei der „Whatsapp“ Gruppe, Mitglied zu werden. Wer Facebook hat, kann in unserer Gruppe „Solidarität mit Flüchtlingen- Südtirol“ im fixierten Beitrag wichtige Informationen entnehmen, wie z.B. was gerade an Sachspenden gebraucht wird bzw. wie die Lage momentan aussieht. In dieser Gruppe sind Frau Katharina Unterrichter, Frau Melitta Santer und ich, Sadbhavana Pfaffstaller die Administratorinnen. Bei etwaigen Fragen, stehen wir gerne zur Verfügung. Da wir in einer besonderen Lage sind, sprich zwei Organisationen und die Freiwilligen, die gemeinsam versuchen das Bestmögliche aus der Situation zu machen, dauert es manchmal ein bisschen länger bis wir uns organisiert haben. Immer wieder gibt es auch kleine Kommunikationsprobleme, da die Informationen sich durch die ständig wechselnden Bedürfnisse manchmal widersprechen. Wir bitten daher um Nachsicht, wenn wir nicht sofort gewisse Fragen beantworten können, arbeiten aber mit Hochdruck an ein noch effizienteres Zusammenarbeiten zwischen uns allen und wir sind guter Dinge, dass das klappen kann.

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Fotos: Sadbhavana Pfaffstaller

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