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„Sein oder Nichtsein“ Existenzbedrohliche Kürzungen bei den Verlagen

4 Agosto 2014

„Sein oder Nichtsein“ Existenzbedrohliche Kürzungen bei den Verlagen

 

Die Kürzungen in der Kulturpolitik setzen den Verlagen schwer zu, so Tageszeitung Online. Land, Region und Stiftung Sparkasse setzen massiv den Rotstift an, sodass die Verlage mit über 50 Prozent weniger Beiträgen rechnen müssen.

Sein oder Nichtsein, das ist für die Südtiroler Verlage kein literarisches Zitat mehr, sondern nüchterne Realität.
Gottfried Solderer; Gründer des Raetia-Verlages, spricht es unmissverständlich aus: „Hätten wir vor drei Jahren nicht weitere Standbeine aufgebaut, wäre bei Raetia das Nichtsein schon angesagt.“ Nur mit der Querfinanzierung aus dem Lektorat und dem Filmgeschäft kann der Verlag weiterexistieren.

Nicht wesentlich anders kommentiert Hermann Gummerer vom Folio-Verlag die Situation: „Wir sind am Limit“.

Ist es nur das übliche Gejammer einer Branche, die weltweit in der Krise steckt?

Nein, denn die Kürzungen, die die Verlage von der öffentlichen Hand zu verkraften haben, sind so gravierend, dass eine existentielle Krise unausweichlich scheint. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Das Land, die Region und die Stiftung Sparkasse fahren ihre Förderungen für die Verlage massiv zurück, sodass etwa der Raetia Verlag zusammengezählt mit mindestens 50 Prozent weniger Förderung rechnen muss.
Solderer sagte:
„Wir haben in guten Jahren vom Land 150.000 Euro bekommen, jetzt dürfen wir nur noch mit 70.000 Euro rechnen.“ Auch der Folio Verlag, der aufgrund seines Programms weniger Ansuchen stellte, spricht von Kürzungen in der Größenordnung von 50 Prozent.

Die Beiträge wurden durch die Bildung der neuen Landesregierung sehr spät genehmigt, während die Verlage bislang bereits im April über die zu erwartenden Beiträge Bescheid wussten.Jedoch liegt noch immer keine Entscheidung auf dem Tisch. Für die Verlage ist die Unsicherheit enorm, zumal die Hälfte des Programmes ja bereits abgewickelt ist. „Wir haben keine Planungssicherheit“ sagt Gottfried Solderer. „Weder darüber, was wir kriegen noch wann wir es kriegen.“ Wilfried Gufler, kaufmännischer Leiter bei Raetia: „Mitten im Jahr ein Budget umwerfen, das geht nicht.“
Während LH Durnwalder seinen Landesräten stets ein Budget für Bücherankäufe zur Verfügung stellte, darf das Land in Zukunft keine Bücher mehr ankaufen. Die Gemeinden haben sowieso kein Geld und die privaten Sponsoren winken immer häufiger ab. Selbst die Banken kaufen kaum mehr Bücher als Geschenke für ihre Kunden an.
Die Hiobsbotschaft aber ist gestern aus dem Büro der Region eingetrudelt. Demnach fördert die Region in Zukunft Bücher nur mehr mit einem Beitrag bis maximal 2.000 Euro. „Das“, so Gummerer, „ist kaum den bürokratischen Aufwand für das Ansuchen wert.“ Besonders erzürnt die Verleger daran, dass die Region jährlich Überschüsse von bis zu 120 Millionen Euro aus Mehrwertsteuer-Einnahmen produziert, an die die Länder nur sehr schwierig herankommen.

Auch externe Aufträge über Ausschreibungen sind laut Gummerer kaum noch rentabel: „Wir bieten dieselbe Dienstleistung heute billiger als vor 5 Jahren an, denn da zählt nur der Preis. Qualität spielt bei Ausschreibungen keine Rolle. “Kurz: Die Förderungen brechen auf der ganzen Linie ein. Gummerer, der auch Präsident der Verlegervereinigung ist: „Ganz undramatisch gesprochen: wir sind in einer dramatischen Situation.“
Hat man vielleicht die digitale Entwicklung verschlafen? Keineswegs, so Gummerer zur Tageszeitung Online. Sowohl der Folio Verlag als auch Raetia haben E-Books im Angebot, „wir sind ja nicht die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen“, aber dieses Geschäft ist eine Nische.Die Rentabilität der Branche ist gering, zumal in einem kleinen Land wie Südtirol. Ohne öffentliche Unterstützung lassen sich Kulturtitel mit geringer Auflage nicht finanzieren.

Bei Raetia etwa könnten 70 Prozent der Bücher ohne Zuschüsse nicht produziert werden. Doch das Bewusstsein für den kulturellen Wert des Buches scheint in der Politik dramatisch zu schwinden. Seit Jahrzehnten kämpfen die Verleger um eine Verlagsförderung nach österreichischem Vorbild. Vergeblich. Statt Verlagsförderung, Voraussetzung jeder seriösen Planbarkeit, herrscht immer noch Projektförderung.

Die Ansuchen müssen Projekt für Projekt über einen Verein eingereicht werden. Die jedoch weigern sich immer häufiger, als Durchlaufposten für Ansuchen dienen zu müssen. Landesrat Philipp Achammer ist dabei, ein neues Kulturgesetz auszuarbeiten, aber das wird so schnell nicht mehr fertig und eine Verlagsförderung ist darin auch nicht vorgesehen. Solderer: „Ich habe sie gestrichen voll. Seit 20 Jahren höre ich nur Versprechungen.“

Wenn die Beiträge immer mehr gekürzt werden, werden die Verlage gezwungenermaßen ihr Programm reduzieren und andere Tätigkeitsfelder suchen. Dass davon auch andere Branchen betroffen sind, Buchhandlungen, Druckereien, Autoren, Grafiker und Layouter, versteht sich von selbst, denn Verlage sind Dreh- und Angelpunkt für viele wirtschaftliche Aktivitäten.

Gummerer: „Wir brauchen ein Bewusstsein davon, dass Bücher wertvolles Kulturgut sind.“ Konkreter drückt es Wilfried Gufler aus: „Die Verlage sind ja keine Bittsteller. Sämtliche Förderungen fließen innerhalb eines Jahres in Form von Steuern wieder in den Landestopf zurück.“

 

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