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“La Grande Bellezza” Die große Schönheit

21 Aprile 2014

“La Grande Bellezza” Die große Schönheit

Mit dem Oscar prämierten La Grande Bellezza bekennt der Regisseur Paolo Sorrentino seine Liebe zur italienischen Hauptstadt Rom.

Er enthält ein wenig Sex, ein wenig Philosophie, und sehr viel Banalität, so schreibt der Spiegel online Kultur. “La Grande Bellezza” setzt einem alternden Flaneur und der ewigen Stadt Rom ein sehr dürftiges Denkmal. Der Film ist  laut Spiegel Online Kultur also großer Mist. Aber er ist wunderschön anzusehen.

Berühmt ist der boshafte Kommentar, den der Schriftsteller Thomas Mann über die Belesenheit seines Konkurrenten Lion Feuchtwanger abgegeben haben soll. “Haben Sie diese prachtvolle Bibliothek gesehen?”, hat Mann einen jungen Begleiter nach dem Verlassen von Feuchtwangers Villa in Pacific Palisades gefragt. “All die schönen Erstausgaben, die exquisit ausgesuchten Romane aus allen Kontinenten, das Wissen der Welt aus zweieinhalbtausend Jahren! Und was kommt dabei heraus? Der reine Mist!”
Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino, Jahrgang 1970, hat sich viele kluge Gedanken über das Kino gemacht. So hat er jetzt einen monumentalen Rom-Film mit dem Titel “La Grande Bellezza – die große Schönheit” gedreht. Dieses Werk ist zweieinhalb Stunden lang, von hohem cineastischen Anspruch und lässt einen unwillkürlich an die (historisch ungesicherte) Thomas-Mann-Häme über Feuchtwanger denken, so Spiegel Online Kultur.
Das ist traurig, weil Paolo Sorrentino ein herausragender Regisseur im Filmland Italien ist. Nach vielen Jahren, in denen das italienische Kino auf internationalen Festivals für schrecklich mittelmäßige Schmachtschinken verlacht wurde, hat Sorrentino seit seinem Spielfilmdebüt “L’uomo in più” 2001 viel verdientes Lob bekommen.
In “La Grande Bellezza” sehen wir nun einem einsamen Mann beim gemächlichen Voranschreiten zu. Nur tut er es diesmal nicht in irischem oder amerikanischem Ödland, sondern in der schönsten Stadt der Welt.
Es ist ein Film über einen römischen Flaneur. Er heißt Jep Gambardella, wird wieder von Toni Servillo gespielt und ist ein Mann von 65 Jahren. Er trägt Anzüge mit Einstecktuch, hält sich für einen großen Verführer und landet ab und zu mit einer Frau im Bett. Er besucht viele Partys und blickt gern von der mondänen Aussichtsterrasse seiner Wohnung auf das Kolosseum. Vor allem aber, und das ist das Problem, pflegt er eine Liebe zur Philosophiererei. Der Held dieses Films spricht gern sehr banale Sätze: “Ich suchte nach der Schönheit und habe sie nicht gefunden, so ein Satz.”

Erfreulicherweise ist es immerhin ein wunderschön anzusehender Film. Oft ist er auch ganz kurzweilig. Die Stadt Rom ist hier fast menschenleer fotografiert, in einem Licht, das man vermutlich nur in den ersten Morgenstunden so bestaunen kann. Der Kameramann Luca Bigazzi schwelgt in herrlichen Farben und scharfen Schattenrissen, er zeigt elegante Bürgersalons und traumhafte Klostergärten. Die Bilder dieses Films scheinen auf eine merkwürdige Art mit sich selbst zufrieden zu sein, auch die Musik ist nett und geschmackvoll. Die Geschichte gerät dadurch allerdings mehr und mehr zur Nebensache.

Der Filmheld Jep Gambardella ist angeblich ein Schriftsteller, der vor 40 Jahren mal für kurze Zeit berühmt war und sich seither als Journalist über Wasser hält. Ebenso ist Gambardella ein Wiedergänger des Möchtegern-Schriftstellers, den Marcello Mastroianni im Jahr 1960 in Federico Fellinis “La Dolce Vita” spielte. Es geht in “La Grande Bellezza” um ein Zeitbild der Dekadenz, der Vergeblichkeit. Um das “Gefühl von Ewigkeit” und das “Gefühl von Leere”, von denen der Regisseur in Interviews zu seinem Film schwafelt. Den Zustand des “römischen Universums” hat er zeigen wollen, ein “mentales Abenteuer” im Hader mit dem Geist der Zeit.

Ein aktuelles Abbild des Krisenlandes Italien ist “La Grande Bellezza” allerdings höchstens als Dokument der Sprachlosigkeit, der Unfähigkeit zum Diskurs. Man sieht einen Kardinal über Kochrezepte dozieren, einen Zauberkünstler mit einer Giraffe auftreten, eine Stripperin ihre fahlen Reize zeigen. Man sieht dem Helden dabei zu, wie er Avantgardekünstler verhöhnt und beim Begaffen einer keuschen Nonne auf Erlösung hofft. Das Erhabene und das Altbackene lagern in diesem Film stets eng beieinander, so Spiegel Online Kultur. Nie aber spürt man den existentiellen Ernst, den der Regisseur am Anfang des Films mit einem Zitat aus Louis-Ferdinand Célines “Reise ans Ende der Nacht” beschwört.

Für La Grande Bellezza konnte der Regisseur Paolo Sorrentino sowohl den Europäischen Filmpreis 2013 gewinnen als auch den Preis für den besten fremdsprachigen Film bei den Golden Globes 2014. 2014 wurde La Grande Bellezza für den Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film nominiert und gewann die begehrte Trophäe.

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