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EIN KURIOSER FALL AN DER BILDUNGSWISSENSCHAFTLICHEN FAKULTÄT DER UNI BOZEN

12 Aprile 2014

EIN KURIOSER FALL AN DER BILDUNGSWISSENSCHAFTLICHEN FAKULTÄT DER UNI BOZEN

Ein deutscher Dozent hat seinen Lehrauftrag an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bozen plötzlich über Nacht gekündigt. Der Grund hierfür ist, dass die TAGESZEITUNG ihm unangenehme Fragen gestellt hat. Dekan Franz Comploi ist erbost.

Alles begann mit einem Schreiben einer Gruppe von Studenten an die TAGESZEITUNG. Die Studierenden besuchten den Kurs zur Erlangung der Lehrbefähigung, der gerade an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bozen in Brixen abgehalten wird. Im Schreiben ist von schlechten Lehrmethoden, von mangelhaftem Wissen und Verhalten bei einem bestimmten Lehrbeauftragten die Rede.

Die Kurse zur Erlangung der Lehrbefähigung an Grund-, Mittel- und Oberschule laufen seit Anfang des Jahres. Lehrer, die keine pädagogische und didaktische Ausbildung haben, sollen durch diese Kurse die Möglichkeit bekommen, diese zu erlangen und so irgendwann in die Stammrolle zu wechseln. Viele Lehrpersonen besuchen die speziell angebotenen Kurse berufsbegleitend.
Der von mehreren Studenten beschuldigte Lehrbeauftragte ist Thomas Schott. Er ist an der Universität Bayreuth in Deutschland habilitiert, was ihn dazu ermächtigt, auch an anderen Universitäten Lehrveranstaltungen abzuhalten.
Dass Lehrbeauftragte von Studenten kritisiert werden, ist allerdings nichts Neues. Das ist aber noch nicht alles. Die Recherchen haben ergeben, dass es der Dozent Schott in deutschen Medien zu fragwürdiger Bekanntheit gebrachte hat. Ernsthafte Nachrichtenmagazine wie „Frontal 21“ auf ZDF oder „exakt“ auf mdr haben in den vergangenen Monaten wiederholt über einen Fall von gerichtlicher Kindesentziehung berichtet. Einem Vater war in einem Sorgerechtsstreit verboten worden, sein Kind zu sehen. Ihm wurde vom Gutachter eine Persönlichkeitsstörung attestiert. Begründet hat der Gutachter diese Persönlichkeitsstörung damit, dass die Kindheit des Vaters in der diktatorisch regierten DDR „deutliche Spuren hinterlassen“ hat, so dass er deshalb nicht gut für sein Kind ist. Das Gericht folgte den abenteuerlichen Thesen des Gutachters und verhängte ein einjähriges völliges Kontaktverbot. Der Name des Gutachters, Thomas S. Die TAGESZEITUNG wollte es nun genauer wissen.

In einer Email an Thomas Schott, sowie an den Dekan der Bildungswissenschaftlichen Fakultät Franz Comploi wurde der Lehrbeauftragte jetzt mit den Vorwürfen konfrontiert. Ebenfalls wurde er gefragt, ob es sich bei den fraglichen „Thomas S.“ aus den TV-Berichten tatsächlich um ihn handelt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Thomas Schott teilte noch am Mittwochabend per Email mit, er steht „aus leidlicher Erfahrung mit der Presse“ für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Er teilte lediglich mit, dass seines Erachtens einige Studierende „wohl kaum pädagogisch noch fachlich geeignet“ sind, „um den Lehrerberuf im Sinne des Wohls der Schüler auszuüben“, und lässt wissen, wie „erbärmlich“ er es findet, dass diese ungeeigneten Studenten selbst „vor Verleumdungen und persönlichen Verunglimpfungen“ nicht zurückschreckten.
Auf die Frage, ob es sich bei ihm um besagten Gutachter handelt, ging er erst gar nicht ein.

Franz Comploi zeigte sich alles andere als erfreut über den Fall. Eine Stellungnahme zum Inhalt der Lehrveranstaltung lehnte er aber ab. Allerdings hat er eine interessante Nachricht parat: „Herr Prof. Schott hat seinen Lehrauftrag zurückgezogen“, formuliert der Dekan knapp. Dieses nur einen Tag nach der ersten E-Mail der TAGESZEITUNG an Herrn Schott, und einen halben Tag nach dessen Antwort, in der von einem Rückzug keine Rede gewesen war.

Comploi bedauert den kurzfristigen Verlust des Lehrbeauftragten aus Deutschland. Außerdem vermerkt er, nicht ohne den mitklingenden Ton des Vorwurfs: „Das wird selbstverständlich eine Verzögerung in der Ausbildung zur Folge haben.“

Im Bild: Dekan Franz Comploi

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