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ÁGNES HELLER ÜBER PRESSEFREIHEIT IN UNGARN

7 Aprile 2014

ÁGNES HELLER ÜBER PRESSEFREIHEIT IN UNGARN

In ihren philosophischen Werken beschäftigt sie sich unter anderem mit dem Begriff des Alltags, den Bedürfnissen des Menschen, dem Menschenbild der Renaissance und Shakespeare. Ágnes Heller ist Trägerin der Goethe-Medaille, so Zeit.de.

“Wenn ich das Radio oder den Fernseher anschalte, bin ich nur angewidert”, so sieht es die ungarische Philosophin Ágnes Heller. Am Wahltag sieht sie mit Sorge auf ihre Heimat.

Ágnes Heller ist nach der Emeritierung wieder in Ihre Heimatstadt Budapest zurückgekehrt.

Die Philosophin fühlt sich dort wohl, weil sie ihre Freunde hat und die Straßen kennt. Es ist ihre Heimat. Unwohl fühlt sie sich nur wegen der politischen Situation. Wegen der antidemokratischen, diktatorischen Tendenzen in der ungarischen Politik., wo Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt sind. In Budapest sieht man während des Wahlkampfes fast nur Plakate der Fidesz-Partei. Die Menschen von der Partei Fidesz haben alle Plätze gekauft, weil der Besitzer dieser Plätze ein Fidesz-Mensch ist, so Heller. An anderen Plätzen in Budapest, die sie nicht besitzen, hat der Bürgermeister die Wahlwerbung verboten. Für die linksliberale Opposition gibt es auch kaum eine Möglichkeit, ihre Ansichten und Programme in Fernsehen oder Radio zu verbreiten. In den von Fidesz dominierten Kanälen gibt es von morgens bis abends eine Verleumdungsoffensivenach der anderen gegen die Opposition.Normalerweise sollte ein Wahlkampf ausgeglichen sein, aber hier kann nur eine Seite ihre Meinung äußern.Das ist keine Pressefreiheit und deswegen sagt sie, dass es überhaupt keine Pressefreiheit in Ungarn mehr gibt. 90 Prozent Sender werden durch Fidesz kontrolliert. Die zehn Prozent an unabhängigen Sendern, die geblieben sind, kann man nicht überall im Land empfangen. Falls man es kann, muss man dafür auch noch viel Geld bezahlen. Nur die staatlichen Sender sind billig zu empfangen.Dort ist alles Fidesz-Propaganda, von morgens bis abends und auch in der Nacht. Ich kann natürlich im einzigen unabhängigen Fernsehsender ATV sprechen, den man in Budapest und anderswo kostenpflichtig empfangen kann, dort bin ich auch oft zu sehen, sagt Heller. Ebenfalls im Radiosender Klubrádió. Das sind die beiden einzigen Kanäle, auf denen Liberale, wirkliche Konservative und Linke zur Sprache kommen. Die Philosophin hat keine Stellung mehr zu verlieren, sie ist nur noch eine emeritierte Professorin aus New York. In diesem Sinne verspürt sie auch keine Angst. Selbst, wenn sie das Radio oder den Fernseher anschaltet, fürchtet sie sich nicht. Viele Menschen sprechen Frau Heller auf der Straße an und sagen, „wir lieben dich, mach weiter so.“ Aber das ist sicherlich nur eine Minderheit. Die Mehrheit der Menschen hat wahrscheinlich eher ein negatives Verhältnis zu ihr. Der Reichsverweser Miklós Horthy hat Budapest vor 100 Jahren “die sündige Stadt” genannt. Weil hier immer schon der Liberalismus präferiert wurde. Wenn sie ins Theater geht, in Ausstellungen oder Konzerte, dann trifft sie auf Menschen, die genauso denken. Kultur ist in Ungarn immer liberal und links gewesen. Eine konservative Haltung gilt hier übrigens auch als liberal. Die Fidesz-Partei betreibt überhaupt keine Kulturpolitik.Die einzige Kulturpolitik besteht darin, alle möglichen Führungspositionen mit ihren eigenen Leuten zu besetzen. Diejenigen, die Fidesz gegenüber loyal sind, sind dritt- oder viertklassige Leute. Es gab mal einige wenige Intellektuelle unter ihnen, aber die haben die Partei schon verlassen.

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