Cronaca

Gewalt in der Pflege – Machtmissbrauch

17 Settembre 2013

Gewalt in der Pflege – Machtmissbrauch

Motorradfahrer

Die Entscheidung, pflegebedürftige Angehörige in ein Heim zu geben, fällt nicht leicht. Umso schlimmer, wenn sie statt Zuwendung Gewalt und Missachtung erfahren.

36.000 Menschen, so viele wie die Bewohner einer Kleinstadt, leiden laut offiziellen Schätzungen in deutschen Pflegeheimen Hunger oder Durst, weil niemand Zeit hat, ihnen beim Essen oder Trinken zu helfen. 14.000 Menschen werden an Bett und Rollstuhl gefesselt, ohne dass die Pfleger dafür eine Genehmigung haben. Fast eine Viertelmillion Demenzkranker wird mit Psychopharmaka ruhiggestellt.

Zu wenige Fachkräfte? Die Kritik, die dahintersteht, ist eindeutig: Nicht der einzelne Pfleger, der schlägt, schubst, festbindet und beleidigt ist schlecht. Sondern die Umstände sind es, in denen er lebt. Doch stimmt das? In der Pflegebranche ist dies eine Frage, über die Vertreter von Angehörigen, Pflegern, Heimen und Politik sich immer wieder in die Haare geraten. Wer ständig überfordert ist, weil er unbezahlte Überstunden schieben muss und dauernd allein für 30 alte, schwer kranke Menschen die Verantwortung trägt, der muss irgendwann einfach die Nerven verlieren.
Beides stimmt, glaube ich. Natürlich müssen Pfleger besondere Eigenschaften mitbringen, müssen einfühlsam sein, fair, teamfähig und fachlich kompetent sein, sonst sind sie nicht richtig in diesem Beruf. “Da es aber zu wenige Pflegekräfte gibt, müssen die vorhandenen ständig gegen die Uhr kämpfen, von einem zum anderen hetzen, und gehen abends trotzdem mit einem unguten Gefühl nach Hause, weil nur Zeit für Satt- und Sauber-Pflege war. Das führt zu Überforderung, Frustration, zum Teil auch zu Abstumpfung und Verrohung.” 

Es wäre schön, wenn sich die Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik etwas mehr über diese Missstände Gedanken machten. Ich stehe ohnmächtig vor dieser Problematik. Auch gegen das Personal gibt es eine subtile Form der Gewalt, indem man mit dem Arbeitsplatz droht, oder indem man unbequemen Mitarbeitern durch dienstliche Schikanen das Leben erschwert.

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