Cronaca

Im Nigerdelta

27 Novembre 2012

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Im Nigerdelta

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von Simon Blaas

DIE VERGESSENE ÖLPEST  

 

 

Nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im April 2010 musste der Betreiber der Ölplattform BP bisher über 21 Milliarden Dollar für Aufräumarbeiten und Schadensersatzklagen aufwenden. Währenddessen scheint eine andere Ölpest immer weiter zu eskalieren.

 


Das Nigerdelta ist die Heimat von 31 Millionen Menschen und zudem eines der zehn wichtigsten Feuchtgebiete der Welt. Was aber besondere Relevanz aufweist ist die Tatsache, dass besagtes Gebiet seit den 1960er Jahren von internationalen Ölkonzernen zur Rohölförderung verwendet wird. Während der nigerianische Staat in diesem Zeitraum über 60 Milliarden Dollar verdient hat, ist die Bevölkerung Nigerias stark verarmt.

Vor dem Eintreffen der Ölkonzerne hatten die Bewohner des Nigerdeltas ein bescheidenes Leben. Sie hatten Arbeit und genug zu essen, doch nun sind die Flüsse verpestet und weite Landstriche gänzlich unfruchtbar. Der wenige Fisch der ihnen noch in die Netze geht ist mit hoch giftigen Substanzen durchsetzt. Die Lebenserwartung in Nigeria liegt bei 51 Jahren, jene der Bewohner des Nigerdeltas bei lediglich 41 Jahren. Messungen des Umweltprograms der Vereinten Nationen (UNEP) ergaben eine enorme Belastung des Trinkwassers. In einem Dorf in Ogoniland wies das Trinkwasser einen um das 900 fache überschrittenen Grenzwert für Benzol auf.

Zwar bohrt Shell, der multinationale Ölkonzern, seit 1993 nicht mehr nach neuen Ölquellen im Nigerdelta, doch erweisen sich die über 7000 Kilometer an teilweise stark veralteten Pipelines und nicht mehr benutzte Bohrköpfe als im höchsten Maße umweltschädlich. Lecks werde nur selten und wenn, dann lediglich provisorisch von den Betreibern geschlossen. Beispielsweise trat im Juni 2010 an einer Pipeline sieben Tage lang ungehindert Rohöl aus, bis zu 90.000 Tonnen. Jedes Jahr wird das Nigerdelta durch weitere 13 Millionen Barrel Öl verunreinigt.
Laut einer Studie der UNEP seien die Umweltschäden derart gravierend, dass eine Säuberungsaktion bis zu 30 Jahre andauern würde.

In einigen Teilen des Landes versucht sich die verzweifelte Bevölkerung mithilfe von Klagen Gehör zu verschaffen. Shell wurde von einem britischen Gericht für Schulding empfunden durch mangelndes Equipment schuld am Auslaufen mehrerer hunderttausend Liter Öl im Jahre 2009 zu sein. Ein kleiner tappensieg, jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  

 

Simon Blaas

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