{"id":230423,"date":"2026-07-22T20:34:33","date_gmt":"2026-07-22T18:34:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buongiornosuedtirol.it\/?p=230423"},"modified":"2026-07-22T20:34:36","modified_gmt":"2026-07-22T18:34:36","slug":"salurn-schwimmt-gegen-den-strom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.buongiornosuedtirol.it\/de\/2026\/07\/22\/salurn-schwimmt-gegen-den-strom\/","title":{"rendered":"Salurn schwimmt gegen den Strom"},"content":{"rendered":"<p class=\"isSelectedEnd\">Die Entscheidung des Lidos in Salurn, nach Betriebsschluss einmal pro Woche eine Stunde ausschlie\u00dflich muslimischen Frauen zu widmen, sorgt f\u00fcr eine politische Debatte \u00fcber Integration, Teilhabe und die Frage, wie viel gesellschaftliche Vielfalt eine \u00f6ffentliche Einrichtung sichtbar machen darf.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt die Initiative von der SVP-Senatorin und Vorsitzenden der Autonomiegruppe, Julia Unterberger. F\u00fcr sie handelt es sich um eine \u201eGeste der Sensibilit\u00e4t und sozialen Inklusion\u201c. Es brauche eigentlich nur ein wenig gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, dass das Angebot ein Zeichen der Offenheit sei, so Unterberger.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Die Argumentation der Senatorin: Die zus\u00e4tzliche Schwimmstunde k\u00f6nne Frauen erreichen, die das Schwimmbad unter den \u00fcblichen Bedingungen wahrscheinlich nicht besuchen w\u00fcrden. Sie erm\u00f6gliche es ihnen, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen \u00f6ffentlichen Raum zu nutzen.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">F\u00fcr Unterberger ist das keine Ausgrenzung, sondern im Gegenteil ein zus\u00e4tzlicher Zugang zur Gesellschaft. Integration bedeute nicht, Menschen erst dann als Teil der Gesellschaft anzuerkennen, wenn sie s\u00e4mtliche Lebensgewohnheiten der Mehrheitsgesellschaft \u00fcbernommen h\u00e4tten.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Damit stellt sie sich zugleich gegen die Kritik aus Teilen der politischen Rechten. Der Vorwurf, ein ausschlie\u00dflich Frauen vorbehaltenes Zeitfenster f\u00f6rdere die Geschlechtertrennung oder reduziere Frauen auf ihr Geschlecht, greife zu kurz, so Unterberger.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Emanzipation, argumentiert die SVP-Senatorin, entstehe nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Freiheit und mehr M\u00f6glichkeiten zur Teilhabe. Gerade f\u00fcr muslimische Frauen k\u00f6nne ein gesch\u00fctzter Rahmen eine zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit schaffen, \u00f6ffentliche R\u00e4ume zu nutzen und soziale Kontakte zu pflegen.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Die Debatte zeigt einmal mehr, wie schnell konkrete Integrationsma\u00dfnahmen zum politischen Kulturkampf werden. Die einen sehen in der Initiative ein pragmatisches Angebot, das Barrieren abbauen kann. Die anderen f\u00fcrchten, dass getrennte Angebote gesellschaftliche Trennlinien eher festigen als \u00fcberwinden.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Unterberger setzt dagegen auf einen pragmatischen Integrationsbegriff: Nicht jede zeitlich begrenzte Sonderregelung sei automatisch ein Schritt zur\u00fcck. Entscheidend sei vielmehr, ob dadurch Menschen ausgeschlossen w\u00fcrden \u2013 oder ob ihnen neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Im Fall des Lidos von Salurn ist ihre Antwort eindeutig: Eine zus\u00e4tzliche Stunde im Schwimmbad sei kein R\u00fcckzug aus der Gesellschaft, sondern f\u00fcr jene Frauen, die das Angebot nutzen, m\u00f6glicherweise genau der erste Schritt hinein.<\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Im Bild: Julia Unterberger<\/em><\/p>\n\n    <div class=\"xs_social_share_widget xs_share_url after_content \t\tmain_content  wslu-style-1 wslu-share-box-shaped wslu-fill-colored wslu-none wslu-share-horizontal wslu-theme-font-no wslu-main_content\">\n\n\t\t\n        <ul>\n\t\t\t        <\/ul>\n    <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des Lidos in Salurn, nach Betriebsschluss einmal pro Woche eine Stunde ausschlie\u00dflich muslimischen Frauen zu widmen, sorgt f\u00fcr eine politische Debatte \u00fcber Integration, Teilhabe und die Frage, wie viel gesellschaftliche Vielfalt eine \u00f6ffentliche Einrichtung sichtbar machen darf. 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Damit stellt sie sich zugleich gegen die Kritik aus Teilen der politischen Rechten. Der Vorwurf, ein ausschlie\u00dflich Frauen vorbehaltenes Zeitfenster f\u00f6rdere die Geschlechtertrennung oder reduziere Frauen auf ihr Geschlecht, greife zu kurz, so Unterberger. Emanzipation, argumentiert die SVP-Senatorin, entstehe nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Freiheit und mehr M\u00f6glichkeiten zur Teilhabe. Gerade f\u00fcr muslimische Frauen k\u00f6nne ein gesch\u00fctzter Rahmen eine zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit schaffen, \u00f6ffentliche R\u00e4ume zu nutzen und soziale Kontakte zu pflegen. Die Debatte zeigt einmal mehr, wie schnell konkrete Integrationsma\u00dfnahmen zum politischen Kulturkampf werden. Die einen sehen in der Initiative ein pragmatisches Angebot, das Barrieren abbauen kann. Die anderen f\u00fcrchten, dass getrennte Angebote gesellschaftliche Trennlinien eher festigen als \u00fcberwinden. Unterberger setzt dagegen auf einen pragmatischen Integrationsbegriff: Nicht jede zeitlich begrenzte Sonderregelung sei automatisch ein Schritt zur\u00fcck. Entscheidend sei vielmehr, ob dadurch Menschen ausgeschlossen w\u00fcrden \u2013 oder ob ihnen neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet werden. Im Fall des Lidos von Salurn ist ihre Antwort eindeutig: Eine zus\u00e4tzliche Stunde im Schwimmbad sei kein R\u00fcckzug aus der Gesellschaft, sondern f\u00fcr jene Frauen, die das Angebot nutzen, m\u00f6glicherweise genau der erste Schritt hinein. 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