{"id":179924,"date":"2024-07-11T13:15:00","date_gmt":"2024-07-11T11:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buongiornosuedtirol.it\/?p=179924"},"modified":"2024-10-23T13:47:26","modified_gmt":"2024-10-23T11:47:26","slug":"postbusse-sammeln-osterreichweit-insekten-fur-artenvielfalt-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.buongiornosuedtirol.it\/de\/2024\/07\/11\/postbusse-sammeln-osterreichweit-insekten-fur-artenvielfalt-projekt\/","title":{"rendered":"Postbusse sammeln \u00f6sterreichweit Insekten f\u00fcr Artenvielfalt-Projekt"},"content":{"rendered":"<div class=\"subtitle\">\u00a0<\/div>\n<div><span style=\"color: #424242; font-family: 'PT Serif', Georgia; font-size: inherit;\">Von der Busscheibe ins DNA-Labor: Postbusse machen die Vielfalt an Fluginsekten in \u00d6sterreich sichtbar. Die Uni Innsbruck startet ein innovatives Projekt zur Erfassung der Insekten-Biodiversit\u00e4t.<\/span><\/div>\n<div class=\"detail text-long\">\n<p>Wischen und wissen, welche Insekten in \u00d6sterreich fliegen: Beim neuen Biodiversit\u00e4ts-Projekt des Instituts f\u00fcr Zoologie\u00a0der Universit\u00e4t Innsbruck helfen \u00f6ffentliche Verkehrsmittel\u00a0in\u00a0Tirol, K\u00e4rnten, Nieder- und Ober\u00f6sterreich die\u00a0<strong>Vielfalt an Kleinstlebewesen zu untersuchen<\/strong>. Insektenr\u00fcckst\u00e4nde\u00a0auf Postbussen sind das Ausgangsmaterial. Daraus werden DNA-Proben entnommen und entschl\u00fcsselt. Die neue Methode (DNA-Spurenanalytik) spart Ressourcen und Zeit, sie deckt auch erstmals gr\u00f6\u00dfere Gebiete ab.<\/p>\n<p><strong>Fliegen, M\u00fccken, Bienen und viele andere\u00a0Arten<\/strong>, aber auch eingeschleppte (invasive) Arten, k\u00f6nnen im Zuge des Projekts \u201e<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/zoology\/ibm\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Insekten-Busmonitoring<\/a>\u201c in den ausgew\u00e4hlten unterschiedlichen Gegenden (Acker- und Gr\u00fcnland, Wald, Siedlungsgebiet) ausfindig gemacht werden. \u201eWir sehen,\u00a0<strong>in welchem Zustand sich unsere Insektenwelt in \u00d6sterreich befindet<\/strong>\u00a0und wie sich die Artenvielfalt und Insektengemeinschaften ver\u00e4ndern\u201c, sagt Projektleiter Michael Traugott vom Institut f\u00fcr Zoologie an der Universit\u00e4t Innsbruck.<\/p>\n<p>\u201eAls Teil des gr\u00f6\u00dften Klimaschutzunternehmens unterst\u00fctzen wir als \u00d6BB Postbus dieses Forschungsprojekt, da es einen wesentlichen Beitrag zur Untersuchung der Artenvielfalt und zur Erhaltung unseres \u00d6kosystems und damit zum Schutz unserer Umwelt leistet\u201c, so Alfred Loidl, Vorstand \u00d6sterreichische Postbus AG.<\/p>\n<h2>Testzeitraum von April bis September 2024<\/h2>\n<p>Noch bis September 2024 l\u00e4uft die Probenentnahme drei Mal pro Monat entlang von vier Buslinien je beteiligtem Bundesland (T, K, N\u00d6, O\u00d6). In Tirol werden intensiver Proben gezogen und es sind zus\u00e4tzlich Fangschalen entlang der Busstrecken aufgestellt. Trockene und warme Verh\u00e4ltnisse sind f\u00fcr diese\u00a0<strong>moderne Nachweismethode<\/strong>\u00a0Voraussetzung. Bei nassem Wetter fliegen keine Insekten. Scheibenwischer sollen w\u00e4hrend des Tages auch nicht im Einsatz sein.<\/p>\n<p>\u201eBei ihren Fahrten ,sammeln` \u00f6ffentliche Verkehrsmittel in gro\u00dfer Zahl Insekten, die auf die Frontbereiche und Windschutzscheiben der Fahrzeuge prallen und dort ihre\u00a0<strong>DNA-Spuren<\/strong>\u00a0hinterlassen. Damit generieren diese Fahrzeuge wertvolle Informationen zum Vorkommen von Insekten in den regelm\u00e4\u00dfig von ihnen befahrenen Gebieten, ohne dass weitere Insekten zu Monitoringzwecken zu Schaden kommen m\u00fcssen\u201c, schildert Zoologe Michael Traugott.\u00a0<\/p>\n<p>Seit April beproben Projektmitarbeiter:innen mehrmals im Monat abends die Frontbereiche der Postbusse mit Mikrofasert\u00fcchern. Diese werden ausgewaschen.\u00a0Aus dem Wasser\u00a0<strong>wird die Insekten-DNA\u00a0mittels spezieller Filter\u00a0gewonnen<\/strong>. Die so genannte eDNA (environmental DNA) wird konserviert und ab Herbst 2024 am\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/zoology\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Institut f\u00fcr Zoologie\u00a0<\/a>der Universit\u00e4t Innsbruck in Zusammenarbeit mit der Sinsoma GmbH analysiert.<\/p>\n<p>Um anschlie\u00dfend Insektenarten bestimmen zu k\u00f6nnen, gleichen die Forscher:innen die vorhandenen DNA-Sequenzen mit internationalen Datenbanken ab. In einem Pilotprojekt 2021 in Tirol konnten sie ein \u201ebreites Spektrum von hunderten Insektenarten\u201c, u.a. die Hainschwebfliege und ihre Verwandten sowie Stechm\u00fccken, Heuschrecken, Tagfalter und Wildbienen nachweisen.<\/p>\n<h2>Die Methode im \u00dcberblick\u00a0<\/h2>\n<ol>\n<li>Mit Mikrofasert\u00fcchern werden Insektenreste abends von Frontscheiben und unteren Frontbereichen der Postbusse gesammelt.<\/li>\n<li>Die T\u00fccher mit den Insektenresten werden mehrmals ausgewaschen. Mit speziellen DNA-Filtern wird aus dem Wasser Insekten-DNA (so genannte eDNA) gewonnen.<\/li>\n<li>Die Insekten-DNA wird im Labor extrahiert, vervielf\u00e4ltigt und sequenziert.<\/li>\n<li>Die gesammelten Daten werden mit internationalen DNA-Datenbanken abgeglichen und Insekten-Arten zugeordnet.<strong><br \/><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Zum ersten Mal werde \u00fcber den\u00a0Busmonitoring-Ansatz die Insektenvielfalt \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Gebiete untersucht. Dar\u00fcber g\u00e4be es laut Michael Traugott bis dato noch keine umfassenden Daten oder \u00e4hnlich gelagerten Projekte weltweit. \u201eJene DNA-Methoden, die uns ein umfassendes Insektenmonitoring aus solchen Umweltproben erlauben, gibt es erst seit wenigen Jahren. Der Ansatz ist\u00a0<strong>ressourcenschonend und zeitsparend<\/strong>.\u00a0<strong>Wir analysieren so genannten Roadkill<\/strong>, also im Stra\u00dfenverkehr erfasste Fluginsekten. Au\u00dferdem greifen wir f\u00fcr die Sammlung der Proben auf den \u00d6ffentlichen Verkehr zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<h2>Forschungsergebnisse im Herbst 2025\u00a0<\/h2>\n<p>Die Ergebnisse zur Artenvielfalt der Fluginsekten werden im Herbst 2025 ver\u00f6ffentlicht. Biodiversit\u00e4tsfonds \u00d6sterreich, Klimaschutzministerium und Europ\u00e4ische Union f\u00f6rdern das Projekt.<\/p>\n<p>Das Insekten-Busmonitoring kann wichtige\u00a0<strong>Einblicke in die Biodiversit\u00e4t des Landes<\/strong>\u00a0und Auswirkungen des Klimawandels darauf liefern. Das Projekt diene auch der\u00a0<strong>Bewusstseinsbildung innerhalb der Bev\u00f6lkerung<\/strong>, indem gezeigt wird, welche Insekten es in den untersuchten Gegenden gibt und welche Rollen sie \u00fcbernehmen.<\/p>\n<h2>Insekten sind f\u00fcr Naturhaushalt wichtig<\/h2>\n<p>\u201eF\u00fcr den Naturhaushalt sind Insekten von gro\u00dfer Bedeutung\u201c, erkl\u00e4rt Zoologe Michael Traugott. \u201e<strong>80 Prozent der Bl\u00fctenpflanzen brauchen Insekten als Best\u00e4uber<\/strong>. Insekten sind auch sehr wichtig als Gegenspieler von Sch\u00e4dlingen. Larven der Hainschwebfliegen, zum Beispiel, fressen Blattl\u00e4use. Au\u00dferdem sind Insekten eine wesentliche Basisnahrung f\u00fcr viele andere Tiere, wie V\u00f6gel.\u201c Doch aktuelle Studien stellen fest, dass weltweit in vielen \u00d6kosystemen ein markanter R\u00fcckgang an Insekten beobachtet wird.<\/p>\n<p><strong>Ausf\u00fchrliche Informationen auf der Webseite:\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/zoology\/ibm\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/zoology\/ibm\/<\/a><\/p>\n<h2>Zur Person<\/h2>\n<p>Projektleiter Michael Traugott ist Professor f\u00fcr angewandte Zoologie und leitet die Abteilung f\u00fcr angewandte Tier\u00f6kologie am Institut f\u00fcr Zoologie der Universit\u00e4t Innsbruck. Er betreibt seit 25 Jahren internationale Forschung im Bereich Entomologie. Er und sein Team haben \u00fcber 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und im Einsatz von DNA-Spurenanalytik und in der Erforschung von Insekten in verschiedensten Lebensr\u00e4umen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Im Bild: Projektmitarbeiterinnen Eva Schneider (o.) u. Marjana Ljubisavljevic\/c-Universit\u00e4t Innsbruck<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n    <div class=\"xs_social_share_widget xs_share_url after_content \t\tmain_content  wslu-style-1 wslu-share-box-shaped wslu-fill-colored wslu-none wslu-share-horizontal wslu-theme-font-no wslu-main_content\">\n\n\t\t\n        <ul>\n\t\t\t        <\/ul>\n    <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Von der Busscheibe ins DNA-Labor: Postbusse machen die Vielfalt an Fluginsekten in \u00d6sterreich sichtbar. Die Uni Innsbruck startet ein innovatives Projekt zur Erfassung der Insekten-Biodiversit\u00e4t. 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Testzeitraum von April bis September 2024 Noch bis September 2024 l\u00e4uft die Probenentnahme drei Mal pro Monat entlang von vier Buslinien je beteiligtem Bundesland (T, K, N\u00d6, O\u00d6). In Tirol werden intensiver Proben gezogen und es sind zus\u00e4tzlich Fangschalen entlang der Busstrecken aufgestellt. Trockene und warme Verh\u00e4ltnisse sind f\u00fcr diese\u00a0moderne Nachweismethode\u00a0Voraussetzung. Bei nassem Wetter fliegen keine Insekten. Scheibenwischer sollen w\u00e4hrend des Tages auch nicht im Einsatz sein. \u201eBei ihren Fahrten ,sammeln` \u00f6ffentliche Verkehrsmittel in gro\u00dfer Zahl Insekten, die auf die Frontbereiche und Windschutzscheiben der Fahrzeuge prallen und dort ihre\u00a0DNA-Spuren\u00a0hinterlassen. 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In einem Pilotprojekt 2021 in Tirol konnten sie ein \u201ebreites Spektrum von hunderten Insektenarten\u201c, u.a. die Hainschwebfliege und ihre Verwandten sowie Stechm\u00fccken, Heuschrecken, Tagfalter und Wildbienen nachweisen. Die Methode im \u00dcberblick\u00a0 Mit Mikrofasert\u00fcchern werden Insektenreste abends von Frontscheiben und unteren Frontbereichen der Postbusse gesammelt. Die T\u00fccher mit den Insektenresten werden mehrmals ausgewaschen. Mit speziellen DNA-Filtern wird aus dem Wasser Insekten-DNA (so genannte eDNA) gewonnen. Die Insekten-DNA wird im Labor extrahiert, vervielf\u00e4ltigt und sequenziert. Die gesammelten Daten werden mit internationalen DNA-Datenbanken abgeglichen und Insekten-Arten zugeordnet. Zum ersten Mal werde \u00fcber den\u00a0Busmonitoring-Ansatz die Insektenvielfalt \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Gebiete untersucht. 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