„Lowkey“ ist das Südtiroler Jugendwort des Jahres 2026

Der englische Ausdruck setzt sich bei der ersten Ausgabe von Youth Word gegen „crazy“, „peak“, „ragebait“ und „67“ durch. Die Abstimmung zeigt, wie stark soziale Medien die Jugendsprache prägen – und dass es nicht die eine Sprache der Jugend gibt.

„Lowkey“ macht das Rennen: Das Südtiroler Jugendwort des Jahres 2026 steht fest. Bei der Abstimmung unter Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren setzte sich der englische Ausdruck gegen vier weitere Kandidaten durch. Das Ergebnis wurde am Mittwoch, 14. Oktober, im Rahmen einer Pressekonferenz bei Youth Info in Bozen bekannt gegeben. Hinter dem Siegerwort stehen allerdings mehr als ein aktueller Sprachtrend: Das Projekt Youth Word gibt Einblicke in die sprachliche Vielfalt junger Menschen in Südtirol und zeigt, wie sehr digitale Kommunikation ihren Alltag beeinflusst.

Was bedeutet „lowkey“ eigentlich?

Der Begriff stammt aus dem Englischen und wird verwendet, wenn etwas eher unauffällig, insgeheim oder ein bisschen so ist. Häufig dient er dazu, eine Aussage bewusst abzuschwächen. Wer beispielsweise sagt: „Ich fand’s lowkey gut“, meint damit ungefähr: „Ich fand es eigentlich ziemlich gut“ – ohne daraus eine große Sache zu machen.

Dass sich gerade dieser Ausdruck durchgesetzt hat, überrascht den 17-jährigen Kevin Kritzinger, Mitglied der Peer Jury, nicht. „Das Wort hört man unter Jugendlichen wirklich oft, sowohl im Alltag als auch auf Social Media“, erklärt er. Auch die anderen Begriffe unter den fünf Finalisten seien bekannt, doch der Sieg von „lowkey“ sei für ihn nachvollziehbar.

Englisch dominiert – Dialekt bleibt vielfältig

Schon während der Einreichphase im September zeigte sich, wie unterschiedlich junge Menschen in Südtirol sprechen. Neben englischen Begriffen wurden zahlreiche Dialektwörter und italienische Ausdrücke vorgeschlagen. Besonders groß war die Vielfalt der Dialektbegriffe, von denen es letztlich allerdings keiner unter die fünf häufigsten Vorschläge schaffte.

Dass alle fünf Finalisten aus dem Englischen stammen, ist für Andrea Abel vom Institut für Angewandte Sprachwissenschaft der Eurac Research und Professorin an der Freien Universität Bozen wenig überraschend. Jugendliche seien sprachlich besonders kreativ und wichtige Motoren des Sprachwandels. Gleichzeitig reagierten Sprachen auf gesellschaftliche Entwicklungen, Moden und Machtverhältnisse.

Soziale Medien beschleunigten diesen Prozess zusätzlich: Anglizismen und bestimmte Sprechweisen könnten sich heute wesentlich schneller weltweit verbreiten als früher.

Eine Jugendsprache gibt es nicht

Ein genauerer Blick auf die Abstimmungsergebnisse zeigt, dass sich hinter dem Gesamtsieger unterschiedliche Vorlieben verbergen. Je nach Alter, Geschlecht und Sprachgruppe fallen die Ergebnisse anders aus.

  • 14 bis 17 Jahre: Hier liegt „lowkey“ vorne.

  • 18 bis 20 Jahre: In dieser Altersgruppe gewinnt „crazy“.

  • Weibliche Teilnehmende: Sie stimmten mehrheitlich für „lowkey“.

  • Männliche Teilnehmende: Bei ihnen liegt „peak“ vorne.

  • Deutschsprachige Jugendliche: „Lowkey“ setzt sich durch.

  • Italienisch- und ladinischsprachige Jugendliche: Hier liegt „crazy“ an der Spitze.

Rund 60 Prozent der abgegebenen Stimmen kamen von weiblichen Teilnehmenden. Gleichzeitig erreichte „lowkey“ in allen drei Sprachgruppen ähnlich hohe Stimmenanteile. Das deutet darauf hin, dass der Begriff über die Sprachgrenzen hinweg verbreitet ist, auch wenn die jeweiligen Favoriten unterschiedlich ausfallen.

Junge Menschen entscheiden selbst

Ein wesentliches Merkmal von Youth Word war die aktive Beteiligung der Jugendlichen. Sie konnten Begriffe einreichen, in der Jury mitarbeiten und schließlich selbst abstimmen. Für Konrad Pamer, Direktor des Landesamtes für Jugendarbeit, ist genau das ein zentraler Wert des Projekts: Junge Menschen hätten ihre Lebenswelt und Kultur von Anfang an selbst mitgestaltet und am Ende eigenständig über das Siegerwort entschieden.

Auch Bildungs- und Kulturlandesrat Philipp Achammer sieht darin eine Chance für den Austausch zwischen den Generationen. Erwachsene sollten die Sprache junger Menschen nicht als bloße Spielerei abtun, sondern genauer hinhören und neugierig bleiben. Schließlich seien Jugendliche selbst maßgeblich daran beteiligt, wie sich Sprache verändert.

Julia Prossliner von Youth Info betont ebenfalls, dass es bei dem Projekt nicht allein um die Kür eines Siegerwortes ging. Ziel sei es gewesen, Jugendkultur sichtbar zu machen und einen Dialog zwischen Jung und Alt anzustoßen. Die große Beteiligung habe einen spannenden Einblick in die Sprachwelt der Jugendlichen ermöglicht.

Mit „lowkey“ als Sieger endet die erste Ausgabe von Youth Word – Südtiroler Jugendwort des Jahres. Das Ergebnis ist dabei mehr als eine Rangliste angesagter Begriffe: Es zeigt eine Jugendkultur, die von Mehrsprachigkeit, digitalen Trends und ständigem sprachlichem Wandel geprägt ist. Und es erinnert daran, dass man manchmal einfach genauer zuhören muss, um zu verstehen, was die nächste Generation eigentlich sagen will.

Im Bild (von links): Landesrat Philipp Achammer, Julia Prossliner von Youth Info, Sprachwissenschaftlerin Andrea Abel von Eurac Research und unibz, der Direktor des Landesamtes für Jugendarbeit Konrad Pamer, Sprachwissenschaftlerin Marlies Alber von Eurac Research, Arno Parmeggiani von der Agentur für Strategie und Kommunikation zukunvt und Peer Jury-Mitglied Kevin Kritzinger/c-LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer