Wie hängen Klimakrise, soziale Ungleichheit und die Erosion demokratischer Strukturen zusammen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Teilnehmende aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen bei der ersten Climate Action Autumn School, die vom 2. bis 4. Oktober im Jungscharhaus in Nobls bei Jenesien stattfand. Unter dem Titel „Demokratie. Ungleichheit. Klima.“ bot die Initiative Raum für Diskussionen, gemeinsames Lernen und die Entwicklung neuer Perspektiven für gerechtere und widerstandsfähigere Gemeinschaften.
Ausgangspunkt der Veranstaltung war die Überzeugung, dass Klimawandel, soziale Ungleichheit und die Schwächung demokratischer Teilhabe nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. Vielmehr seien sie eng miteinander verknüpft und Ausdruck grundlegender gesellschaftlicher Zusammenhänge. Die Auseinandersetzung mit der Klimakrise beschränke sich daher nicht auf die Folgen für Natur und Ökosysteme, sondern müsse ebenso Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der demokratischen Mitbestimmung berücksichtigen.
Der Klimawandel verschärft bestehende Ungleichheiten: Während sich Reichtum weiterhin bei einem kleinen Teil der Gesellschaft konzentriert, leben immer mehr Menschen unter prekären Bedingungen und verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, sich vor den Folgen der Klimakrise zu schützen oder an notwendige Anpassungsmaßnahmen anzupassen. Gleichzeitig drohen politische Entscheidungen, die das gemeinsame Leben und die Zukunft kommender Generationen prägen, zunehmend der unmittelbaren Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger entzogen zu werden. In diesem Spannungsfeld können autoritäre Antworten auf gesellschaftliche Krisen an Bedeutung gewinnen.
Im Laufe des Wochenendes setzten sich die Teilnehmenden in Workshops, partizipativen Aktivitäten und Diskussionsrunden mit diesen Zusammenhängen auseinander. Zu den Schwerpunkten gehörten der Aufstieg rechter Bewegungen, die Dynamiken wirtschaftlicher Ungleichheit sowie Möglichkeiten einer gemeinschaftlichen Verwaltung von Gemeingütern. Dabei ging es nicht nur darum, bestehende Probleme zu analysieren, sondern auch alternative Ansätze für eine solidarische und demokratische Gesellschaft kennenzulernen und weiterzudenken.
Auch das gemeinsame Erleben spielte eine wichtige Rolle. Neben den inhaltlichen Programmpunkten stärkten das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten, eine Yogastunde und Ausflüge in die Naturlandschaft des Salten-Plateaus den Austausch zwischen den Teilnehmenden. So verband die Autumn School politische und gesellschaftliche Reflexion mit gemeinschaftlichem Engagement und neuen Formen der Begegnung.
Die positive Resonanz und die große Beteiligung haben die Organisatoren dazu bestärkt, im Frühjahr eine zweite Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Bei der geplanten Spring School soll insbesondere die Frage vertieft werden, wie komplexe Themen wie die Klimakrise verständlich, wirksam und einladend vermittelt werden können. Gleichzeitig sollen Strategien erarbeitet werden, um demokratische Teilhabe zu stärken und antidemokratischen Entwicklungen entgegenzuwirken.
Climate Action South Tyrol lädt interessierte Personen, Vereine und Organisationen dazu ein, sich einzubringen und die nächste Veranstaltung mitzugestalten. Organisiert wurde die erste Climate Action Autumn School von Climate Action South Tyrol mit Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen.