Ausgezeichnete Verbundenheit: Universität Innsbruck ehrt fünf Persönlichkeiten

Von Wissenschaft und Wirtschaft bis Diplomatie und Recht: Die Universität Innsbruck hat fünf Persönlichkeiten für ihre besonderen Verdienste und ihre langjährige Verbundenheit mit der Hochschule ausgezeichnet.

INNSBRUCK. Eine Universität lebt nicht allein von Forschung und Lehre, sondern auch von den Menschen, die ihre Entwicklung über Jahre hinweg begleiten und Verbindungen über Fach- und Institutionsgrenzen hinaus schaffen. Bei einem besonders feierlichen Festakt hat die Universität Innsbruck fünf Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Diplomatie geehrt.

Univ.-Prof. Dr. Martin Kocher, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, und em. o. Univ.-Prof. Dr. Roland Psenner, Präsident von EURAC Research in Bozen, erhielten die Ehrensenatorenwürde. Simon Meinschad, ehemaliger Geschäftsführer von hollu Systemhygiene und Vizepräsident der Industriellenvereinigung Tirol, wurde zum Ehrenbürger der Universität ernannt. Das Ehrenzeichen der Universität Innsbruck ging an Mag.a Karin Gerlich von der US-Botschaft in Wien sowie an den ehemaligen Senatspräsidenten des Verwaltungsgerichtshofs, Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Zorn.

Rektorin Veronika Sexl betonte in ihren Grußworten die Bedeutung langfristiger Beziehungen und des Austauschs zwischen Universität und Gesellschaft. Universität sei mehr als ein Ort, so Sexl, vielmehr ein Netzwerk von Menschen, die „über Zeit, Distanz und Fachgrenzen hinweg verbunden bleiben“.

Karin Gerlich: Brücken über den Atlantik

Eine solche Verbindung verkörpert Karin Gerlich, die auf eine fast vier Jahrzehnte umfassende Tätigkeit an der US-Botschaft in Wien zurückblickt. Ihre Laufbahn begann 1987 beim damaligen United States Information Service und endete 2025 mit ihrem Ruhestand.

Als Cultural Specialist und Emerging Voices Specialist in der Public Affairs Section engagierte sie sich insbesondere für die Beziehungen zwischen den USA und Österreich in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Kultur.

Eine besondere Verbindung zur Universität Innsbruck entstand über die UNO-Innsbruck International Summer School, die 2026 ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Auch die daraus hervorgegangene Partnerschaft mit der University of New Orleans wurde von Gerlich über Jahrzehnte begleitet.

Als Absolventin des Fulbright-Programms setzte sie sich zudem für österreichische Teilnehmerinnen und Teilnehmer an US-amerikanischen Austauschprogrammen ein. Damit trug sie zur Internationalisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zum Aufbau eines transatlantischen Netzwerks bei.

Nikolaus Zorn: prägend für das Steuerrecht

Mit Nikolaus Zorn wurde ein Wissenschaftler und Jurist geehrt, der über Jahrzehnte mit der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck verbunden war. In 36 Jahren Lehre und Forschung widmete er sich insbesondere dem Steuerrecht.

Zorn studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck, trat zunächst in die Finanzverwaltung ein und habilitierte sich 1992 am Institut für Finanzrecht. Bereits mit 36 Jahren wurde er zum damals jüngsten Hofrat des Verwaltungsgerichtshofs ernannt. Seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität setzte er kontinuierlich fort.

Als Senatspräsident des Verwaltungsgerichtshofs und als Autor zahlreicher Fachpublikationen prägte Zorn die österreichische Steuerrechtswissenschaft wesentlich mit. 2015 erhielt er dafür das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Darüber hinaus ist er unter anderem Mitglied des Herausgeberteams der „RdW – Recht der Wirtschaft“ und des Doralt-Kommentars zum Einkommensteuergesetz. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Unternehmens- und Steuerrecht ist er außerdem Co-Autor des „Casebook Steuerrecht“.

Simon Meinschad: eine Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Der neue Ehrenbürger Simon Meinschad steht für die enge Verbindung von Universität und regionaler Wirtschaft. Als ehemaliger Geschäftsführer von hollu Systemhygiene und Vizepräsident der Industriellenvereinigung Tirol setzte er sich für eine langfristige Kooperation mit der Universität Innsbruck ein.

Unter seiner Führung wurde die nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensstrategie von hollu eng mit universitären Kompetenzen aus Biologie, Informatik und Betriebswirtschaft verknüpft. Im Mittelpunkt stand dabei der Austausch von Wissen und nicht ausschließlich klassische Auftragsforschung.

Zu den sichtbaren Ergebnissen zählt unter anderem die Ausstellung „mikroVERSUM“ am Standort Zirl. Weitere gemeinsame Projekte sind „KI 2 Industrie“, der „Innalp Education Hub“, das „Tiroler Data Science Bootcamp“ und „mi(croplastic)-trace“.

Auch die Mitfinanzierung einer Stiftungsprofessur für Edge AI am Institut für Informatik bis 2030 gehört zu den Initiativen dieser Zusammenarbeit. Getragen wird die Finanzierung von FFG, Land Tirol, Wirtschaftskammer und regionalen Unternehmen.

Martin Kocher: vom Innsbrucker Forscher zum OeNB-Gouverneur

Eine außergewöhnliche akademische und berufliche Laufbahn verbindet Martin Kocher mit der Universität Innsbruck. Der heutige Gouverneur der Österreichischen Nationalbank studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in Innsbruck, wo er 1998 sein Studium abschloss, 2001 promovierte und sich 2007 habilitierte.

Gemeinsam mit Matthias Sutter baute Kocher die experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Innsbruck mit auf und trug dazu bei, den Forschungsstandort international stärker sichtbar zu machen.

Nach wissenschaftlichen Stationen in Amsterdam, München und East Anglia wechselte Kocher 2016 nach Wien. Dort war er wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Höhere Studien und Präsident des Fiskalrates. 2021 wurde er Bundesminister für Arbeit, Familie und Jugend, später für Arbeit und Wirtschaft.

Seit Herbst 2025 steht Kocher als Gouverneur an der Spitze der Österreichischen Nationalbank. Der Kontakt zu seiner früheren Universität blieb dennoch bestehen. Unter anderem war er Festredner beim Universitätsjubiläum 2019 und setzte sich wiederholt für einen intensiveren Austausch zwischen Wissenschaft und Politik ein.

Roland Psenner: Forschung über die alpinen Ökosysteme

Mit Roland Psenner wurde schließlich ein Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager ausgezeichnet, dessen Arbeit eng mit der Erforschung alpiner Ökosysteme verbunden ist.

Psenner studierte und promovierte in Biologie, Limnologie und Biochemie in Innsbruck. Ab 1991 war er an der Universität tätig, von 1997 bis zu seiner Emeritierung 2018 als Universitätsprofessor für Limnologie am Institut für Ökologie.

Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit stehen unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Ökosysteme. Psenner veröffentlichte mehr als 300 wissenschaftliche Arbeiten sowie zahlreiche Buchbeiträge und eine umfangreiche Buchreihe zu Gebirgsfragen.

Auch in der akademischen Selbstverwaltung übernahm er Verantwortung: Er war Studiendekan, Dekan der Fakultät für Biologie und von 2012 bis 2016 Vizerektor für Lehre und Studierende. International engagierte er sich unter anderem als Präsident der Alpenforschungskommission ISCAR und des Nationalkomitees „Globaler Wandel“.

Seit 2015 ist Psenner Präsident von EURAC Research in Bozen und pflegt auch in dieser Funktion die enge Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck. 2016 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.

Ein Netzwerk, das Grenzen überschreitet

Die fünf Auszeichnungen spiegeln unterschiedliche Formen universitärer Verbundenheit wider: wissenschaftliche Forschung, akademische Lehre, internationale Zusammenarbeit, gesellschaftliches Engagement und die Kooperation mit Wirtschaft und Politik.

Gemeinsam ist den Geehrten, dass ihre Wege immer wieder zur Universität Innsbruck zurückführen. Der Festakt machte damit auch sichtbar, wie weit das Netzwerk einer Universität reichen kann – über Generationen, Institutionen und Ländergrenzen hinweg.

Im Bild: Rektorin Veronika Sexl