Mehr Betten, weniger Wasser: Wo liegt Südtirols Wachstumsgrenze?

SVP-Soziale Mitte fordert Kurswechsel: Erst die Wasserressourcen prüfen, dann neue Betten, Wohnungen und Projekte genehmigen

Südtirol wächst – doch eine Ressource wächst nicht mit: das Wasser. Lange Trockenperioden, steigende Temperaturen und ausbleibende Schneereserven setzen die Wasserversorgung zunehmend unter Druck. Für die Soziale Mitte der SVP ist deshalb die Zeit gekommen, eine unbequeme Frage offen zu stellen: Wie viel Wachstum kann sich Südtirol überhaupt noch leisten, wenn das Wasser knapp wird?

„Wir können nicht immer mehr Betten, Wohnungen und Strukturen schaffen und erst danach fragen, ob das Wasser dafür reicht“, sagt Gabi Morandell, Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP.

Das Land hat bereits im Juli erste Maßnahmen zur Wassereinsparung ergriffen. Für Morandell reicht das jedoch nicht. Aus ihrer Sicht braucht es einen grundlegenden politischen Kurswechsel: Wasser müsse künftig bei der Raumordnung und bei größeren Entwicklungsprojekten eine zentrale Rolle spielen.

Besonders im Tourismus sieht die SVP-Politikerin Handlungsbedarf. Südtirol kommt auf rund 38 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Gleichzeitig werden Hotels und touristische Anlagen immer größer und bieten zunehmend Wellnessbereiche, Pools und weitere wasserintensive Angebote.

Die entscheidende Frage sei deshalb nicht nur, wie viele Gäste Südtirol aufnehmen könne, sondern auch, wie viel Wasser dafür tatsächlich benötigt wird.

„Wir brauchen belastbare Zahlen: Wie viel Wasser verbraucht der Tourismus tatsächlich und wo liegen die Grenzen?“, fordert Morandell.

Damit wird aus der Wasserfrage eine grundsätzliche Frage der Landesentwicklung. Denn wenn einzelne Gemeinden bereits heute in den Sommermonaten mit knappen Ressourcen kämpfen, stellt sich die Frage, ob überall weiterhin neue Wohn-, Tourismus- und Wirtschaftsprojekte entstehen können.

Die Forderung der Sozialen Mitte lautet deshalb: Erst die vorhandenen Ressourcen prüfen, dann über weiteres Wachstum entscheiden.

Dabei will Morandell die Verantwortung ausdrücklich nicht allein beim Tourismus suchen. Auch Landwirtschaft, Industrie, Gemeinden und private Haushalte müssten ihren Beitrag leisten. Gleichzeitig müsse endlich transparent werden, wie viel Wasser durch alte und undichte Leitungsnetze verloren geht.

Denn Wasserknappheit ist nicht nur eine Frage des Verbrauchs. Jeder Liter, der durch marode Infrastruktur verloren geht, steht anderswo nicht mehr zur Verfügung.

Die Soziale Mitte fordert deshalb eine „Wasserstrategie Südtirol 2030/2040“. Darin sollen Wasserverfügbarkeit und Wasserverbrauch systematisch erfasst und konkrete Ziele für Einsparungen, Wiederverwendung, Speicher, Bewässerung und die Sanierung der Leitungsnetze festgelegt werden.

Die politische Botschaft ist klar: Südtirol kann nicht unbegrenzt wachsen und gleichzeitig so tun, als sei Wasser eine Selbstverständlichkeit.

„Wir müssen aufhören, Wasserknappheit erst dann zum Thema zu machen, wenn die Brunnen trocken sind“, so Morandell.

Damit stellt die SVP-Soziale Mitte eine Frage, die für Südtirols Zukunft immer wichtiger werden dürfte: Was nützt weiteres Wachstum, wenn am Ende die wichtigste Ressource fehlt?