Pflege am Hof und im Dorf: Bäuerinnen fordern neue Lösungen für die soziale Sicherheit

Bozen. Wie kann Pflege im ländlichen Raum auch in Zukunft funktionieren? Mit dieser zentralen Frage hat sich der Landesbäuerinnenrat beim diesjährigen Sommergespräch mit Landesrätin Rosmarie Pamer auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen bäuerlicher Familien, die Unterstützung pflegender Angehöriger und die Weiterentwicklung sozialer Angebote abseits der Städte.

„Die Pflege ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen“, betonte Landesbäuerin Antonia Egger. Gerade für Familien auf den Höfen brauche es Lösungen, die auf die besonderen Bedingungen des ländlichen Raums Rücksicht nehmen.

Ein großes Thema war die wachsende Belastung jener Menschen, die Angehörige zu Hause betreuen. Der demografische Wandel, veränderte Familienstrukturen und der Fachkräftemangel im Pflegebereich verschärfen die Situation zusätzlich. Landesrätin Pamer bekräftigte das Ziel, Pflege möglichst lange im vertrauten Umfeld zu ermöglichen. Dafür brauche es einen Ausbau von Hauspflege, Betreuungsdiensten und Tagespflegeangeboten sowie eine bessere Unterstützung und Absicherung pflegender Angehöriger.

Der Landesbäuerinnenrat sprach sich zudem für eine Überprüfung der rentenrechtlichen Absicherung aus. Besonders für mitarbeitende Familienmitglieder in der Landwirtschaft müsse geklärt werden, ob bestehende Regelungen ausreichend greifen.

Einigkeit herrschte darüber, dass flexible und wohnortnahe Angebote stärker ausgebaut werden müssen. Dazu zählen betreutes und begleitetes Wohnen, Kurzzeitpflegeplätze und Tagespflegeeinrichtungen. „Nicht immer ist ein Heimplatz die beste oder gewünschte Lösung“, unterstrich Pamer. Entscheidend sei, Möglichkeiten zu schaffen, die ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen und stationäre Aufenthalte hinauszögern.

Auch die Dauer der Pflegeeinstufungsverfahren wurde angesprochen. Die Landesrätin sprach sich für schnellere Abläufe aus, damit Betroffene und Familien rascher Zugang zu den notwendigen Unterstützungen erhalten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die soziale Absicherung von Bäuerinnen und Senioren. Positiv bewertet wurde die geplante Anhebung der Einkommensgrenzen für soziale Unterstützungsleistungen. Gleichzeitig kritisierten die Vertreterinnen der Bäuerinnen, dass die derzeitige Bewertung der finanziellen Situation über Vermögenswerte für viele Familien problematisch sei: Gerade landwirtschaftlicher Grundbesitz könne zu hohen Berechnungswerten führen, ohne die tatsächliche verfügbare Liquidität widerzuspiegeln.

Große Bedeutung wurde auch dem Ehrenamt und den Sozialgenossenschaften zugeschrieben. Als gelungenes Beispiel wurde das Projekt „Essen in der Nachbarschaft“ der Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben“ genannt, das soziale Unterstützung und Nahversorgung verbindet und damit besonders älteren Menschen im ländlichen Raum zugutekommt.

Zum Abschluss wurde die enge Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Gesundheitswesen hervorgehoben. Landesrätin Pamer kündigte zudem an, das Thema Pflegeeltern stärker in den Blick zu nehmen. Gerade landwirtschaftliche Betriebe könnten hier Potenzial bieten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die gemeinsame Botschaft des Treffens: Damit Menschen auch in Zukunft auf dem Land gut leben können, braucht es passgenaue Angebote, starke Netzwerke und soziale Sicherheit direkt vor Ort.

Im Bild: Landesrätin Rosmarie Pamer im Gespräch mit Vertreterinnen des Landesbäuerinnenrats beim traditionellen Sommergespräch/© SBO