Bruneck. Sie schaffen Arbeitsplätze, fördern Integration und verbinden wirtschaftliches Handeln mit sozialer Verantwortung: Die über 800 Genossenschaften in Südtirol sind in unterschiedlichsten Bereichen tätig und spielen eine wichtige Rolle für Gesellschaft und Wirtschaft. Einen Einblick in die Arbeit sozialer Genossenschaften im Pustertal erhielt Landesrätin Rosmarie Pamer bei einem Besuch gemeinsam mit Amtsdirektorin Manuela Paulmichl.
Im Mittelpunkt standen die Sozialgenossenschaften Co-Opera und Vergissmeinnicht sowie der Weltladen Twigga in Bruneck. Die Besuche zeigten unterschiedliche Wege, wie genossenschaftliche Modelle gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen – von der Integration benachteiligter Menschen in den Arbeitsmarkt bis zur Förderung des fairen Handels.
Sozialgenossenschaften vom Typ B, wie Co-Opera und Vergissmeinnicht, schaffen Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt häufig auf Hürden stoßen. Die 2001 gegründete Genossenschaft Co-Opera ermöglicht durch verschiedene Tätigkeitsbereiche wie Reinigungsdienste, Küchenhilfe und Wäscherei gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Entwicklung. Besonders Frauen mit Benachteiligungen am Arbeitsmarkt finden dort eine Perspektive.
Die Sozialgenossenschaft Vergissmeinnicht entstand vor zehn Jahren aus dem Wunsch, Menschen mit Behinderungen ein geeignetes Arbeitsumfeld zu bieten. Aus einer ursprünglichen Nähinitiative entwickelte sich ein Unternehmen, das heute Damenbekleidung, Textilien für Großaufträge und Arbeitskleidung für die Hotellerie produziert.
Beim Weltladen Twigga stand hingegen der faire Handel im Mittelpunkt. Der seit 1993 bestehende und seit 1997 als Sozialgenossenschaft organisierte Laden setzt auf langfristige Partnerschaften mit Produzentinnen und Produzenten sowie auf die Sensibilisierung der Kundschaft für globale wirtschaftliche Zusammenhänge.
„Sozialgenossenschaften sind wichtige Akteure – einerseits, weil sie einen sozialen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, andererseits auch als Arbeitgeber, weil sie ein achtsames und respektvolles Arbeitsumfeld bieten“, betonte Landesrätin Pamer.
Auch Amtsdirektorin Paulmichl hob die Bedeutung des Genossenschaftsmodells hervor: „Menschen setzen sich für andere Menschen ein und arbeiten lokal.“ Das Land unterstütze die Entwicklung der Genossenschaften unter anderem durch Mietbeiträge und die Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum an der Universität Bozen, das innovative Genossenschaftsmodelle begleitet.
Die Beispiele aus dem Pustertal zeigen: Genossenschaften sind mehr als Unternehmen. Sie verbinden wirtschaftliche Tätigkeit mit Verantwortung und schaffen dort Perspektiven, wo klassische Strukturen oft an Grenzen stoßen.
Foto/c-LPA/Hannes Wisthaler