Die deutschsprachigen Schulen in Südtirol können bei den aktuellen INVALSI-Erhebungen mit starken Ergebnissen aufwarten – vor allem im Bereich Fremdsprachen und bei den Mathematikleistungen der Oberschulen. Gleichzeitig zeigen die Daten aber auch, dass es in der Mathematik der Mittelschulen noch deutlichen Aufholbedarf gibt.
Am 16. Juli wurden in der italienischen Abgeordnetenkammer in Rom die Ergebnisse der Lernstandserhebungen vorgestellt, die im Frühjahr des Schuljahres 2025/26 durchgeführt wurden. Der Präsident des nationalen Evaluationsinstituts INVALSI, Roberto Ricci, präsentierte die wichtigsten Ergebnisse des Monitorings.
Aufgrund der sprachlichen Besonderheiten Südtirols werden die deutschsprachigen Schulen teilweise getrennt betrachtet. Im nationalen Bericht flossen für die deutschsprachige Schule vor allem die Ergebnisse in Englisch und Mathematik der Abschlussklassen von Mittel- und Oberschule ein. Die Ergebnisse im Fach Deutsch werden später veröffentlicht.
Besonders beeindruckend sind erneut die Ergebnisse im Fach Englisch. An den deutschsprachigen Mittelschulen erreichen beim Leseverständnis (Reading) mittlerweile 92 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Niveau A2 – ein Plus von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt Südtirol deutlich über dem Durchschnitt der Region Nordostitalien (88 Prozent) und dem gesamtstaatlichen Wert (83 Prozent).
Noch stärker fällt das Ergebnis beim Hörverständnis (Listening) aus: 95 Prozent der Jugendlichen erreichen das Niveau A2. Zum Vergleich: Im Nordosten Italiens sind es 81 Prozent, landesweit 70 Prozent.
Auch die Oberstufen schneiden hervorragend ab. In den Abschlussklassen erreichen beim Reading 88 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Niveau B2 – eine deutliche Steigerung von neun Prozentpunkten gegenüber der letzten Erhebung. Beim Listening schaffen sogar 92 Prozent das B2-Niveau, ein Plus von vier Prozentpunkten.
Damit liegen die deutschsprachigen Schulen Südtirols deutlich über den Vergleichswerten des Nordostens und ganz Italiens.
Weniger erfreulich fällt der Blick auf die Mathematik in der Mittelschule aus. Hier erreichen 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler mindestens die Kompetenzstufe 3 – also jenes Niveau, das notwendig ist, um mathematische Aufgabenstellungen im Alltag selbstständig bewältigen zu können. Der Wert bleibt zwar stabil, liegt aber unter dem italienischen Durchschnitt von 55 Prozent und deutlich unter jenem der Region Nordostitalien mit 62 Prozent.
Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei den Oberschulen: Dort gehören die deutschsprachigen Schulen Südtirols zur Spitze. 74 Prozent der Jugendlichen in den Abschlussklassen erreichen mindestens Kompetenzstufe 3. Damit liegt Südtirol weit über dem gesamtitalienischen Durchschnitt von 52 Prozent und auch über dem Wert des Nordostens (63 Prozent).
Der Leiter der Landesevaluationsstelle für das deutschsprachige Bildungssystem, Klaus Niederstätter, mahnt eine differenzierte Betrachtung der Ergebnisse an.
„Das Verständnis mathematischer Aufgabenstellungen setzt eine sichere Lesekompetenz voraus. Mathematische Leistungen dürfen daher nicht isoliert von den sprachlichen Kompetenzen bewertet werden“, erklärt Niederstätter.
Damit verweist er auf den engen Zusammenhang zwischen Sprachverständnis und mathematischem Erfolg. Die vollständige Bewertung des Bildungsstandes wird erst im Herbst möglich sein. Dann veröffentlicht die Landesevaluationsstelle auch die Ergebnisse im Fach Deutsch sowie weitere erhobene Daten.
Das aktuelle Bild ist dennoch eindeutig: Südtirols deutschsprachige Schulen punkten international bei Englisch und überzeugen in der Oberstufen-Mathematik – während die Mittelschule gerade im mathematischen Bereich vor einer wichtigen Entwicklungsaufgabe steht.