Postenschacher statt Leistung? Team K und Freiheitliche kritisieren Ernennungen in Bozen

In Bozen wächst die politische Kritik an der Vergabe von Führungspositionen in städtischen Beteiligungsgesellschaften und öffentlichen Körperschaften. Sowohl das Team K als auch die Freiheitlichen stellen das bestehende System der Ernennungen grundsätzlich infrage – wenn auch aus unterschiedlichen politischen Blickwinkeln.

Auslöser der Debatte sind jüngste Personalentscheidungen, bei denen erneut politische Funktionsträger und parteinahe Personen in Verwaltungs- und Aufsichtsgremien berufen worden sein sollen. Für die Opposition ist dies ein weiteres Beispiel für ein System, in dem parteipolitische Zugehörigkeit und persönliche Netzwerke eine zentrale Rolle spielen.

Die Gemeinderäte des Team K, Matthias Cologna und Thomas Brancaglion, kritisieren insbesondere die städtische Ernennungskommission, in der die Fraktionsvorsitzenden über die Besetzung von Posten in Beteiligungsunternehmen entscheiden. Dieses Gremium funktioniere in der Praxis häufig als reine Durchlaufstation, in der bereits vorab feststehende Personalentscheidungen lediglich formal bestätigt würden.

„Leider ist es sehr frustrierend, nur als Durchlaufstation für Personen zu dienen, die bereits von der Mehrheit ausgewählt wurden“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Entscheidungen würden zu oft ohne echte inhaltliche Diskussion und zu stark entlang parteipolitischer Zugehörigkeit getroffen, während fachliche Kompetenzen in den Hintergrund rückten. Gleichzeitig kritisieren sie, dass Bewerbungsverfahren kaum öffentlich zugänglich seien und sich Bürgerinnen und Bürger nicht eigenständig auf offene Positionen bewerben könnten.

Als Reformvorschlag fordert das Team K eine Öffnung des Systems nach dem Vorbild von Städten wie Mailand und Florenz: öffentliche Ausschreibungen, direkte Bewerbungsmöglichkeiten sowie die Veröffentlichung aller Lebensläufe der Kandidierenden. Ziel sei mehr Transparenz und ein echter Wettbewerb um die besten Qualifikationen, ohne der Politik die Entscheidungsbefugnis zu entziehen.

Noch schärfer äußern sich die Freiheitlichen. Deren Obmann Roland Stauder spricht von einer fortgesetzten „Parteibuchwirtschaft“ und „Freunderlwirtschaft“, die das Vertrauen in öffentliche Institutionen untergrabe. Zwar betonen auch die Freiheitlichen, dass die persönliche Eignung einzelner ernannter Personen nicht im Vordergrund der Kritik stehe, jedoch werfe das intransparente Verfahren grundsätzlich Fragen auf.

Entscheidend sei, so Stauder, nach welchen Kriterien und in welchen Verfahren Spitzenpositionen vergeben würden. Gerade bei öffentlichen Unternehmen müsse für die Bevölkerung nachvollziehbar sein, wie Entscheidungen zustande kommen. Stattdessen entstehe der Eindruck, dass politische Nähe und Netzwerke wichtiger seien als objektive Auswahlkriterien.

Die Partei warnt zudem vor langfristigen Folgen: Wenn Leistung nicht klar im Vordergrund stehe, drohe Südtirol an Glaubwürdigkeit und Attraktivität für qualifizierte Fachkräfte zu verlieren. Als Lösung fordern die Freiheitlichen verpflichtende, transparente und öffentliche Ausschreibungen mit klar definierten Kriterien, die allen Bürgerinnen und Bürgern gleiche Chancen eröffnen sollen.

Trotz unterschiedlicher Tonalität zeigen sowohl Team K als auch Freiheitliche in der Sache eine klare gemeinsame Stoßrichtung: mehr Transparenz, mehr Wettbewerb und weniger parteipolitischer Einfluss bei der Besetzung öffentlicher Führungspositionen in Bozen.

Im Bild: Roland Stauder und Matthias Cologna