Tirol setzt ein starkes Zeichen für musikalische Bildung und kulturelle Teilhabe: Das Land erweitert das Angebot der Tiroler Landesmusikschulen und schafft ab dem Schuljahr 2026/27 neue prüfungsfreie Ausbildungswege. Ziel ist es, Musik für noch mehr Menschen zugänglich zu machen – unabhängig von Alter, Vorbildung oder Leistungsanspruch.
Die Tiroler Landesregierung hat die Neuerungen auf Vorschlag von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele beschlossen. Gleichzeitig laufen noch bis 31. Mai die Anmeldungen für das kommende Musikschuljahr an den insgesamt 27 Tiroler Landesmusikschulen.
„Musik darf keine Frage von Leistungsdruck sein. Wir wollen noch mehr Menschen den Zugang zur musikalischen Bildung ermöglichen – unabhängig von Alter, Vorbildung oder beruflichem Hintergrund“, betont Hagele. Tirol sei weit über die Landesgrenzen hinaus als Musikland bekannt, deshalb werde das Angebot nun gezielt erweitert.
Künftig gliedert sich die Ausbildung an den Landesmusikschulen in zwei klar definierte Wege: Einerseits bleibt die klassische leistungsorientierte Ausbildung mit Lehrplan, Prüfungen und Talenteförderung bestehen. Andererseits werden neue prüfungsfreie Musizierangebote geschaffen, die sich stärker an Menschen richten, die Musik gemeinschaftlich und ohne Leistungsdruck erleben möchten.
Die neuen Formate betreffen insbesondere Ensembles, Chöre, Orchester sowie die musikalische Früherziehung. Angesprochen werden etwa Mitglieder von Kirchenchören, Erwachsene mit musikalischem Interesse oder Elementarpädagoginnen und -pädagogen, die musikalische Kompetenzen für ihren Berufsalltag erwerben möchten. Auch Menschen mit Behinderungen sollen dadurch leichter Zugang zur musikalischen Ausbildung erhalten.
„Nicht jede und jeder möchte Spitzenergebnisse bei ‚prima la musica‘ erzielen oder vor einer Prüfungskommission auftreten. Für viele Menschen steht einfach das gemeinsame Musizieren im Mittelpunkt“, erklärt Hagele. Genau dafür wolle das Land nun neue Möglichkeiten schaffen.
Beide Ausbildungswege bauen künftig auf einer gemeinsamen musikalischen Basisausbildung auf. Dort erwerben Schülerinnen und Schüler grundlegende musikalische Kompetenzen und erhalten Beratung für ihren weiteren musikalischen Weg. Erst danach erfolgt die Entscheidung zwischen der klassischen Ausbildungsschiene und den prüfungsfreien Angeboten.
Die leistungsorientierte Ausbildung bleibt weiterhin ein zentrales Standbein des Tiroler Musikschulwesens. Sie umfasst verpflichtende Prüfungen, Konzerttätigkeiten sowie intensive Ensemblearbeit und dient auch der Vorbereitung auf weiterführende Bildungswege – etwa ein Studium am Tiroler Landeskonservatorium.
Derzeit besuchen rund 20.000 Schülerinnen und Schüler die Tiroler Landesmusikschulen, etwa 700 Studierende sind am Landeskonservatorium eingeschrieben. Insgesamt unterrichten rund 800 Lehrpersonen an den Einrichtungen.
Auch Landesmusikdirektor Helmut Schmid sieht in der neuen Struktur einen wichtigen Schritt für die Zukunft der Musikausbildung: „Der Erfolg der Musikausbildung in Tirol basiert vor allem auf den Menschen, die mit Leidenschaft unterrichten.“
Im Rahmen eines Festaktes im Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums wurden zudem zahlreiche verdiente Musikpädagoginnen und Musikpädagogen für ihre langjährige Tätigkeit geehrt. Auszeichnungen gab es für 25-, 35- und sogar 45-jährige Dienstjubiläen. Gleichzeitig verabschiedete das Land mehrere Lehrkräfte in den Ruhestand.
Hagele würdigte dabei insbesondere das Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen: „Unsere Musikpädagoginnen und Musikpädagogen prägen Generationen junger Menschen – mit einem Engagement weit über den Unterricht hinaus. Sie vermitteln nicht nur musikalisches Können, sondern wecken Begeisterung und fördern Disziplin und Kreativität.“
Mit den neuen Ausbildungswegen verbindet Tirol künftig Breitenförderung und Spitzenförderung noch stärker miteinander – und unterstreicht damit den hohen Stellenwert der Musik für das kulturelle Leben im Land.
Im Bild: LRin Hagele/© Land Tirol/Die Fotografen