In Innsbruck schreitet die Errichtung des Gedenkorts Reichenau sichtbar voran. Nur wenige Meter vom ehemaligen Lagerkomplex entfernt entsteht derzeit das bislang umfangreichste Erinnerungsprojekt in der Geschichte der Landeshauptstadt. Ziel ist es, die Geschichte des Ortes und der Opfer dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar und zugänglich zu machen.
Der symbolische Baustart erfolgte am 8. Mai 2025. Ein Jahr später ist die Umsetzung bereits weit fortgeschritten: 115 sogenannte Namenssteine aus Beton wurden im Gelände nahe der Grenobler Brücke platziert und mit den Namen sowie dem Alter der bislang bekannten Opfer des Lagerkomplexes versehen. Die Anordnung folgt einem zeitlichen Raster entlang der jeweiligen Todesdaten und bildet so ein sichtbares Erinnerungsfeld.
Parallel zur baulichen Umsetzung wurde auch ein digitaler Zugang zum Gedenkort geschaffen. Unter www.gedenkort-reichenau.at werden historische Hintergründe, Forschungsergebnisse und Informationen zur Geschichte des Lagerkomplexes sowie zur Entwicklung des Erinnerungsprojekts aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. Damit soll der Gedenkort nicht nur physisch, sondern auch im digitalen Raum eine breite Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglichen.
Vizebürgermeister Georg Willi betont die Bedeutung des Projekts als Ort des Erinnerns und Lernens. Acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sei es entscheidend, den Opfern einen würdigen Erinnerungsraum zu geben, der zugleich zur Auseinandersetzung mit Mechanismen von Ausgrenzung und Menschenverachtung anrege.
Auch auf sozialmedialer Ebene wird das Gedenken begleitet: Die Stadt Innsbruck veröffentlicht begleitende Beiträge, um die Erinnerung an die Opfer sichtbar zu halten und in die Gegenwart zu tragen.
In einer ersten Projektphase wurden neben der Platzierung der Namenssteine auch die landschaftsarchitektonische Gestaltung des Areals umgesetzt. Im Sommer 2026 soll das Gelände durch rund 8.500 Pflastersteine ergänzt werden, die sich zu einer Wellenform verdichten und symbolisch für die Zahl der im Lager Reichenau inhaftierten Menschen stehen.
Die zweite Projektphase sieht den Bau eines offenen Pavillons vor, der zusätzliche Informationen zur Geschichte des Lagers und seiner Opfer vermitteln soll. Geplant sind dort unter anderem digitale Informationssysteme, Sitzgelegenheiten sowie eine neue Beleuchtung. Der Baustart dieser Phase ist nach Ausschreibung und Vergabe für Mitte 2026 vorgesehen, die Fertigstellung soll im Laufe desselben Jahres erfolgen.
Mit dem Gedenkort Reichenau entsteht in Innsbruck ein Erinnerungsraum, der historische Aufarbeitung, öffentliche Vermittlung und digitale Dokumentation miteinander verbindet und die Geschichte des Ortes dauerhaft im Stadtbild verankern soll.
Im Bild: die Namenssteine stehen nun eingraviert mit Namen und Alter der 115 derzeit bekannten Opfer am neuen Gedenkort Reichenau/© Stadt Innsbruck/T.Rettenbacher