Bozen – Der Erster Mai ist mehr als ein symbolischer Feiertag: Er rückt jene Menschen in den Mittelpunkt, die täglich das Rückgrat der Gesellschaft bilden. Ob im Handel, in der Schule, im Gesundheitswesen, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft – ihre Arbeit verdient Respekt, Sicherheit und faire Bedingungen.
In Südtirol zeigen die aktuellen Zahlen ein scheinbar positives Bild: Mit einer Beschäftigungsquote von 74,7 Prozent im Jahr 2025 und einer Arbeitslosenquote von nur 1,8 Prozent zählt die Region zu den stabilsten Arbeitsmärkten Europas. Doch hinter diesen Werten verbergen sich strukturelle Probleme, auf die die Verdi Grüne Vërc aufmerksam machen.
Im Fokus stehen vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten, die mit den Löhnen vieler Beschäftigter nicht Schritt halten. Dazu kommen Schwierigkeiten beim Zugang zu leistbarem Wohnraum, prekäre Arbeitsverhältnisse in einzelnen Branchen sowie Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen. Besonders betroffen sind Sektoren wie Tourismus, Dienstleistung, Bildung, Bau und Gesundheitswesen, in denen der Arbeitsdruck kontinuierlich steigt.
Ein zentrales Thema bleibt die Sicherheit am Arbeitsplatz. Mit 13.957 gemeldeten Arbeitsunfällen im Jahr 2025 wird deutlich, dass hinter jeder Statistik reale Schicksale stehen. Für die Grünen ist klar: Die Arbeitswelt der Zukunft muss nicht nur effizient, sondern vor allem gerecht und sicher sein.
Gefordert werden daher konkrete Maßnahmen – von verstärkter Prävention über kontinuierliche Weiterbildung bis hin zu strengeren Kontrollen durch Arbeitsinspektionen. Ebenso wichtig seien Lohngleichheit, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie ein würdiger Mindestlohn, der vor Armut trotz Arbeit schützt.
„Es reicht nicht, ein Land mit hoher Beschäftigung zu sein, wenn viele Menschen von ihrem Einkommen nicht leben können oder unter unsicheren Bedingungen arbeiten“, betont Luca Bertolini. Arbeit müsse Würde schaffen und Sicherheit geben – nicht Unsicherheit und Existenzangst.
Die Botschaft zum 1. Mai ist damit klar: Südtirol steht wirtschaftlich gut da, doch sozialpolitisch bleibt Handlungsbedarf. Der Feiertag wird so nicht nur zum Moment des Gedenkens, sondern auch zum Aufruf, die Arbeitswelt gerechter und nachhaltiger zu gestalten.
Im Bild: Luca Bertolini