Importierter Vogelgrippe-Fall in Italien: Experten geben Entwarnung für Südtirol

Ein erstmals in Italien gemeldeter importierter menschlicher Fall von Avian Influenza A (H9N2) sorgt für Aufmerksamkeit in der Fachwelt – doch für die Bevölkerung in Südtirol besteht nach aktuellem Stand kein erhöhtes Risiko. Der Patient, der sich zuvor im Senegal aufgehalten hatte, wurde in der Lombardei medizinisch behandelt.

Wie das italienische Gesundheitsministerium mitteilt, wurde der Fall am 21. März 2026 an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet. Der erwachsene Mann suchte nach seiner Rückkehr mit Fieber und anhaltendem Husten eine Notaufnahme auf. Im Zuge der Diagnostik wurde zunächst Tuberkulose festgestellt, später identifizierte man zusätzlich das Influenza-A-Virus H9N2.

Der Fall wird von Fachleuten genau eingeordnet. Christian Wiedermann, Forschungskoordinator am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health in Bozen, betont, dass es sich um ein zoonotisches Virus handelt, das vor allem in Geflügel vorkommt. Anders als die saisonale Grippe sei H9N2 bislang nicht an den Menschen angepasst und werde nur selten übertragen.

„Der entscheidende Unterschied liegt in der fehlenden Fähigkeit zur nachhaltigen Mensch-zu-Mensch-Übertragung“, so Wiedermann. Das Virus sei derzeit nicht in der Lage, sich dauerhaft unter Menschen zu verbreiten, was die Situation epidemiologisch beherrschbar mache.

Nach Angaben der Behörden deuten genetische Analysen darauf hin, dass der Erreger eng mit Viren aus Geflügelbeständen im Senegal verwandt ist. Eine konkrete Ansteckungsquelle konnte jedoch nicht eindeutig festgestellt werden. Weder direkter Tierkontakt noch ein Kontakt zu erkrankten Personen wurden dokumentiert, was laut Experten auch auf indirekte Übertragungswege wie Märkte oder kontaminierte Oberflächen hinweisen könnte.

Für die öffentliche Gesundheit in Südtirol gebe es jedoch keinen Anlass zur Sorge. Die Weltgesundheitsorganisation bewertet das Risiko für die Allgemeinbevölkerung derzeit als gering, da bisher keine Variante eine effiziente Mensch-zu-Mensch-Übertragung entwickelt hat. Auch alle Kontaktpersonen des Patienten in Italien seien negativ getestet worden.

Der Fall zeige dennoch die Bedeutung funktionierender Überwachungssysteme, so Wiedermann. Besonders die Allgemeinmedizin spiele eine zentrale Rolle bei der Früherkennung, da sie oft erste Anlaufstelle für Rückkehrende aus Risikogebieten sei. Eine sorgfältige Reiseanamnese könne dabei entscheidend sein, um potenzielle Infektionen frühzeitig zu erkennen.

Auch die WHO sieht derzeit keinen Handlungsbedarf für zusätzliche Maßnahmen. Reisen seien weiterhin uneingeschränkt möglich, empfohlen werde jedoch allgemeine Vorsicht im Umgang mit Geflügel in betroffenen Regionen sowie grundlegende Hygienemaßnahmen.

Trotz der seltenen Infektion unterstreicht der Fall die Bedeutung global vernetzter Gesundheitsüberwachung – und zeigt zugleich, dass das Risiko für die Bevölkerung aktuell gering bleibt.

Im Bild Prof. Christian Wiedermann/© Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen