Portugals mutige Tankpolitik – während Italien zuschaut

Während Italien weiterhin im Spritpreis-Dilemma steckt und Bürger sich über steigende Kosten beklagen, setzt Portugal einen klaren Kontrapunkt. Die Regierung in Lissabon hat beschlossen, die Kraftstoffsteuer für eine weitere Woche zu senken – eine Ersparnis, die zwar klein wirkt, aber bei 1,8 Cent pro Liter Diesel und 3,3 Cent pro Liter Benzin doch spürbar ins Portemonnaie greift, wie das Finanzministerium am Freitag mitteilte.

Bereits letzte Woche hatte Portugal von einem Mechanismus Gebrauch gemacht, der automatisch eine Steueranpassung vorsieht, wenn die Preise um mehr als zehn Cent pro Liter steigen – bisher galt der Rabatt ausschließlich für Diesel, dessen Preise besonders stark nach oben schossen. Dieses Instrument ist kein Neuland: Schon 2022, nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, griff die Regierung zu diesem Mittel, um die Verbraucher zu entlasten.

Spannend wird es jedoch, wenn man den Blick nach Brüssel wirft. Ein Regierungssprecher räumte ein, dass kein offizielles Einverständnis der EU für die erneute Anwendung vorliegt. Dennoch hält Lissabon an der Maßnahme fest: „Wir gewähren diesen Rabatt, weil er notwendig ist, trotz der wiederholten Hinweise der Europäischen Kommission und ihrer Aufforderungen, darauf zu verzichten.“

Man könnte sagen, Portugal demonstriert hier politischen Pragmatismus und Bürgernähe – während Italien, in typischer Manier, zwischen bürokratischen Vorschriften und rhetorischem Abwägen verharrt. Während portugiesische Autofahrer die Tankstelle als kleine Oase der Erleichterung erleben, bleibt der Italiener, zumindest gefühlt, auf der Strecke.

Fazit: Portugal zeigt, dass es möglich ist, kurzfristig gegen steigende Energiepreise zu steuern – und das selbst dann, wenn die EU skeptisch schaut. Italien hingegen könnte sich fragen lassen, ob ein bisschen Mut im Tank nicht manchmal mehr bringt als endlose Debatten in Rom.