In Südtirol bleibt die Frage, wie mit Schülerinnen und Schülern umgegangen werden soll, die die Unterrichtssprache nicht ausreichend beherrschen, weiter ein Thema im Bildungsdiskurs. Bildungslandesrat Philipp Achammer hat nun einen Vorschlag präsentiert, der auf individuelle Förderung statt auf eigene Klassen setzt.
Der Plan sieht vor, dass Lehrkräfte vor Ort entscheiden können, ob Schülerinnen und Schüler, die noch Schwierigkeiten mit der Bildungssprache haben, einen „individuellen Bildungsplan“ erhalten sollen. Dieser soll gezieltes Sprachenlernen ermöglichen, ohne dass die betroffenen Kinder in eine separate Gruppe oder Klasse ausgelagert werden. „Es ist eine Möglichkeit mehr, keine Muss-Bestimmung“, betont Achammer und macht damit deutlich, dass es sich um ein flexibles Instrument handelt, das auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt werden soll.
Das Thema ist seit rund eineinhalb Jahren aktuell. Damals hatte die deutschsprachige Goethe-Schule Bozen die Einrichtung einer Sonderklasse für Kinder vorgeschlagen, die Deutsch noch nicht beherrschen. Das Land stoppte diesen Vorstoß jedoch, um eine Trennung der Schülerinnen und Schüler nach Sprachkenntnissen zu vermeiden.
Die Gewerkschaften weisen unterdessen auf die personellen Herausforderungen hin. Wie Petra Nock, Schulgewerkschafterin, erklärt, sei bereits heute qualifiziertes Lehrpersonal knapp. Als mögliche Lösung schlägt sie vor, vorhandene Ressourcen anders zu nutzen, etwa durch die Reduzierung von Wahlfächern, um Lehrkräfte für die Fördermaßnahmen freizustellen.
Experten und Lehrkräfte begrüßen grundsätzlich die Idee, mehr individuelle Unterstützung anzubieten. Ob und wie die geplanten Bildungspläne in der Praxis umgesetzt werden können, wird sich ab dem kommenden Schuljahr zeigen. Klar ist jedoch: Achammer setzt auf ein inklusives Modell, das Sprachförderung als integrativen Bestandteil des regulären Unterrichts versteht und Sonderklassen als Lösung ablehnt.
Im Bild: Philipp Achammer/c-Manuela Tessaro