Alte Obstsorten in ihrer ganzen Vielfalt zu bewahren – das ist das Ziel der Initiative Baumgart, die gemeinsam mit dem Pomologen Philipp Bodner und dem Verein Sortengarten Südtirol jedes Jahr eine Streuobstsorte des Jahres wählt. Für 2026 fiel die Wahl auf die historische Birnensorte „Holzfarbige Butterbirne“, eine Rarität, die in Südtirol nur noch an wenigen Standorten zu finden ist.
Ursprünglich stammt die Sorte aus den Ardennen in Flandern: Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte der belgische Botaniker Jean-Baptiste Van Mons einen Zufallssämling in einem Gehölz. Er vermehrte die Frucht, die er als „Waldschönheit“ („Belle de Bois“) bezeichnete, und trug so zu ihrer Verbreitung bei. Im deutschsprachigen Raum kennt man die Sorte heute unter dem Namen Holzfarbige Butterbirne.
In Südtirol wächst sie noch an wenigen ausgewählten Standorten, etwa auf dem Ritten oder in sonnigen Lagen des mittleren Eisacktals. Wie eine Märchenprinzessin ist die Birne sehr empfindlich: Sie reagiert stark auf Witterungseinflüsse und benötigt warme, trockene Standorte, um ihre Qualität voll entfalten zu können.
Die Frucht selbst ist mittelgroß, kegelförmig und bauchig, mit einem abgestumpften Stiel. Ihre dünne, leicht raue Schale zeigt eine honiggelbe Farbe, durchsetzt mit größeren Rostflecken – tatsächlich erinnert das Äußere an Holz. Ihren Namen „Butterbirne“ verdankt sie dem zartschmelzenden, gelblich-weißen Fruchtfleisch. Geschmacklich überzeugt die Sorte mit süßer Aromatik und charakteristischer Würze. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit fällt die Ernte jedoch unregelmäßig aus.
Mit der Wahl der Holzfarbigen Butterbirne als Streuobstsorte des Jahres 2026 setzt die Initiative Baumgart ein sichtbares Zeichen: für den Schutz alter Obstsorten, für die Bewahrung bäuerlicher Kulturlandschaften und für die Vielfalt Südtiroler Streuobstwiesen, die ohne Engagement leicht verloren gehen könnte.
Foto/© Walter Kusstatscher – für Eurac Research