80 Jahre Pariser Vertrag: Wie ein enttäuschendes Abkommen zur Grundlage der Südtirol-Autonomie wurde

Mit einer wissenschaftlichen Tagung im Palais Widmann in Bozen sind am 3. September die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Pariser Vertrags eröffnet worden. Unter dem Titel „80 Jahre Pariser Vertrag – Kontext, Umsetzung und Auswirkungen: eine historische Bestandsaufnahme“ beleuchtete das Zentrum für Regionalgeschichte die Entstehung, Umsetzung und langfristige Bedeutung des Abkommens.

Landeshauptmann Arno Kompatscher erinnerte bei der Eröffnung daran, dass der Vertrag von 1946 von vielen Südtirolern zunächst als Enttäuschung empfunden worden sei. Gleichzeitig sei er zur entscheidenden Grundlage für die weitere Entwicklung der Autonomie geworden. Ohne den Pariser Vertrag hätte Österreich die Südtirol-Frage nicht vor die UNO bringen können – und damit wären auch die späteren Schritte über die 19er-Kommission bis hin zum Paket kaum denkbar gewesen.

Die Tagung nahm das Abkommen aus unterschiedlichen historischen Perspektiven unter die Lupe. Michael Gehler zeichnete den Weg bis zum Vertrag und dessen Entwicklung bis 1947 nach. Stefan Lechner widmete sich den sogenannten Rückoptionen und der im Vertrag vorgesehenen Überprüfung von Staatsangehörigkeitsentscheidungen aus der Zeit des Faschismus.

Auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen standen im Mittelpunkt. Andrea Bonoldi untersuchte die Nachkriegssituation in Südtirol und im Trentino, während Annemarie Augschöll die Bedeutung des im Vertrag verankerten Rechts auf Unterricht in der Muttersprache beleuchtete. Alessandro Ambrosino richtete den Blick auf die deutsche Minderheit im Kanaltal und die Auswirkungen des Gruber-De-Gasperi-Abkommens auf die Alpe-Adria-Region.

Zum Abschluss stellte der Südtiroler Historiker Hans Heiss die Erinnerung an den Vertrag in den Mittelpunkt. Sein Vortrag „Mühen des Gedenkens: Der Vertrag im Wandel der Erinnerung 1976–2026“ zeigte, wie sich die Bedeutung des Abkommens in der Südtiroler Erinnerungskultur über die Jahrzehnte verändert hat.

Die historische Aufarbeitung wird am 7. September mit einer weiteren Tagung im Palais Widmann fortgesetzt. Die von der Universität Innsbruck organisierte Veranstaltung widmet sich insbesondere dem Minderheitenschutz.

Foto: Arno Kompatscher/LPA/Fabio Brucculeri