Südtirol zwischen Schulprotest und Kulturkrise

Nach den Protesten im Bildungsbereich und den zahlreichen ausgefallenen Schulausflügen richtet Landesrätin Magdalena Amhof den Blick nach vorne. Mit Verständnis für die Sorgen der Kulturschaffenden, die unter den abgesagten Schulaktivitäten gelitten haben, fordert die Landesrätin für Europa, Arbeit und Personal nun eine Rückkehr zu einem normalen Schulalltag.

Auslöser ist ein offener Brief von Künstlerinnen und Künstlern an die Landesregierung. Darin schildern die freien Kulturschaffenden die Folgen der Lehrerproteste, durch die viele geplante Schulveranstaltungen und Ausflüge nicht stattfinden konnten. Besonders betroffen sei die lokale Kunst- und Kulturszene, die stark von Auftritten und Projekten an Schulen abhängig ist.

Amhof zeigt Verständnis für diese Kritik, verweist zugleich aber auf die bereits gesetzten Maßnahmen der Landesregierung. „Wir haben alles getan, was möglich war, um die Lehrergehälter anzupassen und einen ersten wichtigen Schritt zu setzen“, betont die Landesrätin. Nun sei es aus ihrer Sicht notwendig, dass auch die Initiativgruppen Verantwortung übernehmen und den Protest in dieser Form beenden.

Die Landesregierung habe mit der finanziellen Aufwertung des Bildungsbereichs eine zentrale Forderung aufgegriffen. Durch strukturelle Inflationsanpassungen und reale Gehaltserhöhungen sollen Lehrpersonen künftig durchschnittlich rund 800 Euro brutto mehr pro Monat erhalten. Die entsprechenden Beschlüsse für die Landesschulen sowie für die Schulen staatlicher Art wurden im Juni und Juli gefasst.

Ein besonderer Fokus liegt auf jungen Lehrkräften: Qualifizierte Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sollen künftig direkt in die zweite Gehaltsstufe einsteigen können. Dies bedeutet ein zusätzliches Plus von bis zu 7.000 Euro brutto pro Jahr.

Amhof sieht damit einen wichtigen Schritt zur Aufwertung des Lehrerberufs gesetzt. Weitere Verbesserungen im Bildungsbereich seien notwendig, doch der Blick müsse nun wieder auf die Schülerinnen und Schüler gerichtet werden. „Im kommenden Schuljahr dürfen Kinder, Jugendliche und Eltern nicht erneut die Leidtragenden sein“, lautet die Botschaft der Landesrätin.

Nach einem konfliktreichen Schuljahr steht damit die Frage im Raum, ob mit den beschlossenen Gehaltsmaßnahmen ein neuer Dialog beginnen kann – und ob der Unterricht wieder ohne Protestmaßnahmen stattfinden wird.

Im Bild: Landesrätin Magdalena Amhof/© Bernhard Aichner