100 Jahre Ingeborg Bachmann: Neues Dossier beleuchtet ihre Verbindung zu Wittgenstein und Innsbruck

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann richtet sich der Blick nicht nur auf das literarische Werk der bedeutenden österreichischen Autorin, sondern auch auf ihre philosophischen Wurzeln und ihre enge Verbindung zu Innsbruck. Anlässlich des Jubiläums erscheint mit dem Dossier „Ingeborg Bachmann – Ludwig Wittgenstein“ in den Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv eine neue Publikation, die zentrale Einflüsse auf das Denken und Schreiben der Autorin beleuchtet.

Ingeborg Bachmann, geboren am 25. Juni 1926 in Klagenfurt, zählt zu den herausragenden Stimmen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Während ihres Philosophiestudiums in Innsbruck, Graz und Wien setzte sie sich intensiv mit unterschiedlichen philosophischen Strömungen auseinander. Besonders prägend war dabei das Werk des Philosophen Ludwig Wittgenstein, dessen Gedanken in Bachmanns literarischem Schaffen immer wieder sichtbar werden – etwa im Roman Malina oder im Erzählband Das dreißigste Jahr.

Das neue Dossier im aktuellen Heft der Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv geht der Bedeutung Wittgensteins für Bachmanns Selbstverständnis als Schriftstellerin nach und untersucht zugleich das spannungsreiche Verhältnis von Literatur und Philosophie. Die Beiträge basieren auf einer wissenschaftlichen Tagung, die im Mai 2024 am Forschungsinstitut Brenner-Archiv gemeinsam mit dem Institut für Philosophie der Universität Innsbruck veranstaltet wurde. Konzipiert und organisiert wurde die Tagung von Anne Siegetsleitner, Michael Schorner und Ulrike Tanzer.

Darüber hinaus rückt die Publikation eine bislang weniger bekannte Seite der Autorin in den Mittelpunkt: ihre engen Beziehungen zu Innsbruck. Die Stadt war nicht nur Studienort, sondern auch ein wichtiger Knotenpunkt ihres kulturellen Netzwerks. Seit 1953 stand Bachmann in Kontakt mit Ludwig von Ficker, dem legendären Herausgeber der Kulturzeitschrift Der Brenner. Im Brenner-Archiv werden zudem Briefe der Autorin an Lilly von Sauter aufbewahrt, die wertvolle Einblicke in ihr persönliches und literarisches Umfeld geben.

Auch die Universität Innsbruck beteiligt sich aktiv am Bachmann-Jubiläum. Ende Juni findet eine wissenschaftliche Nachwuchstagung statt, die von Uta Degner, Hauptherausgeberin der Salzburger Bachmann-Ausgabe, organisiert wird. Die Veranstaltung erinnert an die vielfältigen Verbindungen der Schriftstellerin zur Tiroler Landeshauptstadt und bietet jungen Forscherinnen und Forschern eine Plattform für neue Perspektiven auf ihr Werk.

Mit dem Jubiläumsjahr wird einmal mehr deutlich, dass Ingeborg Bachmanns Denken und Schreiben nichts von seiner Aktualität verloren hat. Die neue Publikation aus dem Brenner-Archiv eröffnet spannende Zugänge zu einer Autorin, deren Werk bis heute Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft gleichermaßen inspiriert.

Die Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv, herausgegeben von Markus Ender und Ulrike Tanzer, sind im Forschungsinstitut Brenner-Archiv zum Preis von 20 Euro erhältlich.

Im Bild: Ingeborg Bachmann mit Ludwig von Ficker