Die Landeshauptstadt Innsbruck hat die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Marianne-Barcal-Preises bekannt gegeben. Mit der Auszeichnung werden seit 2016 herausragende wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts gewürdigt – bevorzugt mit Regional- und Genderbezug sowie interdisziplinären Zugängen aus den Geschichts- und Sozialwissenschaften.
Aus insgesamt acht eingereichten Arbeiten wählte die Jury heuer drei Masterarbeiten aus, die mit dem Hauptpreis des Marianne-Barcal-Preises 2025 ausgezeichnet werden. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten jeweils ein Preisgeld von 3.000 Euro.
Die Auszeichnung geht an Lara Castlunger, Viktor Gartner und Clemens Markart, deren Arbeiten unterschiedliche Aspekte der Tiroler und Südtiroler Geschichte sowie der regionalen Politik beleuchten.
Bürgermeister Johannes Anzengruber zeigte sich erfreut über die hohe Qualität der Einreichungen. Die ausgezeichneten Arbeiten würden spannende Einblicke in aktuelle Forschungsfragen bieten und zugleich Themen behandeln, die für Tirol und Südtirol von besonderer gesellschaftlicher Relevanz seien. Er erinnerte dabei auch an die Namensgeberin des Preises, die ehemalige Innsbrucker Gemeinderätin Marianne Barcal, die selbst eine große Leidenschaft für Bildung und Wissenschaft pflegte.
Die Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Stadtarchivs, der Stadt Innsbruck sowie der Universität Innsbruck, würdigte insbesondere die wissenschaftliche Qualität und die Aktualität der Forschungsansätze.
Lara Castlunger überzeugte mit ihrer Arbeit über den Naturschutz im Reichsgau Tirol-Vorarlberg während der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Untersuchung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen ideologischen Ansprüchen, politischer Umsetzung und den Auswirkungen des Krieges auf Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen.
Viktor Gartner widmete sich der Infrastrukturentwicklung in der Gemeinde Ahrntal. Seine Studie vergleicht politische und administrative Entscheidungen der 1930er- und 1980er-Jahre und zeigt auf, wie sich regionale Entwicklungsstrategien über mehrere Jahrzehnte hinweg verändert haben.
Clemens Markart analysierte in seiner politikwissenschaftlichen Arbeit die Rolle von Parteien bei Tiroler Gemeinderatswahlen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Nennung einer Partei im Listennamen für lokale Wahlbewegungen eher ein Vorteil oder ein Hindernis ist. Seine Untersuchung liefert neue Erkenntnisse über das Verhältnis zwischen kommunaler Politik und den Landesparteien.
Mit dem Marianne-Barcal-Preis setzt die Stadt Innsbruck ein deutliches Zeichen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Gleichzeitig zeigt die diesjährige Auswahl, wie vielfältig und relevant historische sowie politikwissenschaftliche Forschung sein kann – insbesondere dann, wenn sie regionale Entwicklungen in größere gesellschaftliche Zusammenhänge einordnet.
Die ausgezeichneten Arbeiten verdeutlichen, dass junge Forscherinnen und Forscher wichtige Beiträge zum Verständnis der Vergangenheit und Gegenwart Tirols leisten und damit Impulse für zukünftige gesellschaftliche Debatten liefern.
Im Bild: Bürgermeister Johannes Anzengruber gratulierte (v.l.) Viktor Gartner, Clemens Markart und Lara Castlunger zu ihren ausgezeichneten Abschlussarbeiten/© Stadt Innsbruck/A. Steinacker