Papier ist geduldig, Wohnungssuchende nicht

Die Wohnbaureform sollte vieles einfacher machen. Weniger Bürokratie, klarere Kriterien, schnellere Verfahren – so lauteten die Versprechen. Doch während die Politik ihre Hausaufgaben weitgehend erledigt hat, scheint die Verwaltung weiterhin im Schneckentempo unterwegs zu sein. Wer heute um eine Wohnbauförderung ansucht, muss sich nach wie vor auf Wartezeiten einstellen, die mitunter an eine Geduldsprobe grenzen: Bis zu zwei Jahre dauert die Bearbeitung vieler Gesuche.

Die Soziale Mitte der SVP schlägt deshalb Alarm. Vorsitzende Gabi Morandell zeigt sich irritiert darüber, dass trotz umfangreicher Vereinfachungen in den Förderbestimmungen kaum Fortschritte bei der Abwicklung erzielt wurden. Tatsächlich drängt sich die Frage auf, warum Verfahren, die durch neue Regelungen eigentlich beschleunigt werden sollten, weiterhin in den Amtsstuben feststecken.

Besonders problematisch ist die Situation für Familien und junge Menschen, die auf eine Entscheidung angewiesen sind, um ihre Wohn- und Lebensplanung voranzutreiben. Für sie ist die Wohnbauförderung kein bürokratischer Akt, sondern oftmals die Voraussetzung dafür, überhaupt Eigentum schaffen oder Wohnraum sichern zu können. Wer Monate oder gar Jahre auf eine Antwort warten muss, verliert nicht nur Zeit, sondern häufig auch finanzielle Planungssicherheit.

Die Kritik der Sozialen Mitte richtet sich dabei weniger gegen einzelne Mitarbeiter als gegen ein System, das offensichtlich nicht mit den politischen Zielsetzungen Schritt hält. Während in Sonntagsreden regelmäßig von Digitalisierung, Effizienz und moderner Verwaltung gesprochen wird, scheint davon in der Praxis vielerorts wenig anzukommen. Dass im Jahr 2026 Förderanträge noch immer derart lange liegen bleiben, wirft zwangsläufig Fragen nach den organisatorischen Strukturen und Prioritäten innerhalb der Verwaltung auf.

Morandell fordert deshalb einen stärkeren Einsatz digitaler Instrumente und künstlicher Intelligenz. Tatsächlich wäre es schwer nachvollziehbar, warum standardisierte Prüfverfahren nicht längst automatisiert oder zumindest erheblich vereinfacht werden können. Andere Bereiche der öffentlichen Verwaltung zeigen bereits, dass moderne Technologien Bearbeitungszeiten deutlich reduzieren können, ohne dabei die notwendige Kontrolle zu vernachlässigen.

Besonders brisant erscheint die Lage im gemeinnützigen Wohnbau. Gerade dort, wo dringend benötigter leistbarer Wohnraum geschaffen werden soll, stauen sich Projekte monatelang in den Ämtern. Mehrere Vorhaben warten laut Sozialer Mitte bereits seit rund acht Monaten auf ihre Überprüfung. Während Politik und Gesellschaft über Wohnungsmangel diskutieren, bleiben konkrete Bauprojekte in Aktenordnern und digitalen Warteschleifen hängen.

Die immer wieder vorgebrachten Erklärungen – Personalmangel, Einschulungsbedarf oder organisatorische Schwierigkeiten – stoßen zunehmend auf Unverständnis. Wer seit Jahren um mehr leistbaren Wohnraum ringt, kann sich nicht dauerhaft hinter denselben Argumenten verstecken. Irgendwann stellt sich die Frage, ob das Problem tatsächlich fehlende Ressourcen sind oder ob grundlegende Verwaltungsabläufe reformiert werden müssen.

Die Soziale Mitte fordert daher rasche und wirksame Maßnahmen. Sollte das bestehende Personal nicht ausreichen, müssten vorübergehend zusätzliche Kräfte aus anderen Verwaltungsbereichen eingesetzt werden. Denn eines wird immer deutlicher: Die beste Wohnbaureform nützt wenig, wenn sie an überlasteten oder ineffizienten Verwaltungsstrukturen scheitert.

Am Ende droht genau das, was Politik eigentlich verhindern wollte: Gute Entscheidungen werden nicht an fehlendem politischen Willen, sondern an langsamen Amtswegen ausgebremst. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist das längst keine abstrakte Debatte mehr, sondern eine ganz konkrete Belastung im Alltag.

Im Bild: Gabi Morandell