Die Südtiroler Landesregierung zieht eine klare rote Linie für die Zukunft der Bergregionen: Organisierte Motorsportveranstaltungen werden auf bestimmten Staats- und Landesstraßen in sensiblen Gebieten künftig verboten. Betroffen sind insbesondere Strecken in geschützten Landschaftsräumen sowie Abschnitte oberhalb von 1.600 Metern Meereshöhe.
Mit dem Beschluss vom 19. Juni will das Land nach eigenen Angaben ein deutliches Signal für mehr Umwelt- und Klimaschutz setzen. Die Maßnahme ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie Südtirol 2030 sowie des Klimaplans Südtirol 2040 und soll besonders sensible Natur- und Berggebiete vor zusätzlicher Lärmbelastung, Emissionen und Verkehrsaufkommen schützen.
Konkret betrifft das Verbot nicht nur klassische Motorsport-Wettbewerbe, sondern sämtliche organisierten Veranstaltungen mit Show- oder Unterhaltungscharakter – unabhängig davon, ob Autos, Motorräder oder Traktoren eingesetzt werden. Auch die Antriebsart spielt keine Rolle. Der Individualverkehr auf den betroffenen Straßen bleibt hingegen weiterhin erlaubt.
Landeshauptmann Arno Kompatscher betont zwar, dass die Regelung allein die Probleme auf den stark frequentierten Passstraßen nicht lösen werde. Das hohe Verkehrsaufkommen und die wiederkehrende Raserei seien weiterhin große Herausforderungen, an denen bereits gearbeitet werde. Dennoch sei der Schritt notwendig, um ein klares Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit und Schutz der Bergwelt zu setzen.
Gerade dieser Spagat sorgt politisch für Diskussionen: Einerseits will man den Tourismus und die Erreichbarkeit der Pässe nicht einschränken, andererseits werden Veranstaltungen untersagt, die seit Jahren Publikum und Einnahmen in die Regionen gebracht haben. Kritiker werden darin einen weiteren Eingriff in Freizeit- und Eventkultur sehen, Befürworter hingegen einen längst überfälligen Schutz sensibler Naturzonen.
Das Verbot gilt ausdrücklich auch für laufende, noch nicht abgeschlossene Genehmigungsverfahren. In Kürze soll ein öffentlich zugänglicher Informationsbereich mit FAQs sowie ein Straßenregister der betroffenen Abschnitte online gestellt werden.
Mit der neuen Regelung verschiebt sich die Balance zwischen Eventkultur und Naturschutz erneut ein Stück in Richtung Einschränkung – ein politisches Signal, das in den Tälern vermutlich nicht überall auf Zustimmung stoßen wird.
Foto/c-IDM Südtirol/Andreas Mierswa