Ein bedeutender Schritt für die musikalische Nachwuchsförderung in Südtirol ist nun offiziell beschlossen: Die Konferenz der Landeskulturreferentinnen (LKRK) hat am 10. Juni die Aufnahme Südtirols als vollwertiges Mitglied in die Gremien von Musik der Jugend beschlossen. Damit erhält das Land erstmals eine eigenständige Stellung innerhalb der Organisation und wird de facto zum „zehnten Bundesland“ im österreichischen Netzwerk der musikalischen Talenteförderung.
Der Entscheidung vorausgegangen war ein Auftrag der Landeskulturreferentinnenkonferenz aus dem Jahr 2025. Tirol und Südtirol sollten die bestehende Zusammenarbeit neu ordnen und Möglichkeiten für eine eigenständige Vertretung Südtirols innerhalb von „Musik der Jugend“ prüfen. Die nun erzielte Vereinbarung verbindet die historisch gewachsene kulturelle Zusammenarbeit beider Länder mit einer stärkeren Eigenverantwortung Südtirols.
Ab dem Schuljahr 2026/27 wird Südtirol erstmals eigene Landeswettbewerbe von prima la musica und podium.jazz.pop.rock durchführen. Für junge Musikerinnen und Musiker bedeutet dies kürzere Wege, bessere Zugänglichkeit und eine stärkere Verankerung der Wettbewerbe im eigenen Land.
Für Bildungs- und Kulturlandesrat Philipp Achammer stellt die neue Eigenständigkeit einen logischen Entwicklungsschritt dar. Sie ermögliche es, die musikalische Nachwuchsförderung noch gezielter an den Bedürfnissen der jungen Talente auszurichten und gleichzeitig die internationale Vernetzung weiter auszubauen. Die enge Zusammenarbeit mit Tirol bleibe dabei weiterhin ein wichtiger Bestandteil der gemeinsamen Kulturarbeit.
Durch die Aufnahme als vollwertiges Mitglied erhält Südtirol künftig auch institutionell mehr Gewicht. Das Land wird in Expertengremien sowie im Kuratorium von „Musik der Jugend“ vertreten sein und die zukünftige Ausrichtung der Wettbewerbe aktiv mitgestalten. Darüber hinaus sollen die Kontakte zu österreichischen Musikbildungsinstitutionen weiter vertieft werden.
Die starke Stellung Südtirols innerhalb des Wettbewerbswesens zeigt sich bereits heute in den Teilnehmerzahlen. Beim Bundeswettbewerb 2026 waren 125 junge Musikerinnen und Musiker aus Südtirol vertreten. Mit 30 solistischen Beiträgen sowie 27 Ensemblewertungen mit insgesamt 95 Mitwirkenden gehörte das Land erneut zu den erfolgreichsten Regionen des Wettbewerbs.
Seit rund drei Jahrzehnten zählt „Prima la musica“ zu den bedeutendsten Förderplattformen für musikalische Talente im deutschsprachigen Raum. Jährlich nehmen etwa 5.000 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 21 Jahren an den Landeswettbewerben teil. Mehr als 1.140 qualifizierten sich im Jahr 2026 für den Bundeswettbewerb. Neben dem Leistungsvergleich bietet der Wettbewerb jungen Musikerinnen und Musikern wertvolle Erfahrungen, professionelle Rückmeldungen und wichtige Kontakte für ihren weiteren künstlerischen Weg.
Die neue Mitgliedschaft markiert somit nicht nur einen organisatorischen Wandel, sondern auch einen kulturpolitischen Meilenstein. Südtirol übernimmt künftig mehr Verantwortung für die Förderung seines musikalischen Nachwuchses und setzt gleichzeitig ein Zeichen für kulturelle Offenheit, Zusammenarbeit und Zukunftsorientierung.
Im Bild Hannes Critelli, Leo Josef Pomella, Toni De Bastiani und Johann Von Wohlgemuth von der Musikschule Überetsch / Mittleres Etschtal/c-Land Tirol/Kary Sophie