Es ist wieder diese Zeit im Jahr, in der sich in Südtirol ein leises Aufatmen mit einer gewissen Müdigkeit mischt: Über 53.000 Schülerinnen und Schüler zählen die letzten Tage des Schuljahres 2025/26 herunter, während die Sommerferien bereits in greifbare Nähe rücken. Doch von einem „normalen“ Schuljahr kann auch diesmal keine Rede sein.
Wie aus einem Bericht der Rai Südtirol – Tagesschau hervorgeht, stand vor allem die anhaltende Gehaltsdiskussion der Lehrpersonen im Zentrum der Entwicklungen. Diese Auseinandersetzungen wirkten sich deutlich auf den Schulalltag aus: Zahlreiche außerschulische Aktivitäten, Projekte und Ausflüge konnten nicht wie geplant stattfinden oder wurden ganz gestrichen. Für viele Schülerinnen und Schüler bedeutete das ein Jahr mit weniger gemeinsamen Erlebnissen jenseits des Unterrichts.
Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner bringt die Situation auf einen bemerkenswert nüchternen Punkt: „Normale Schuljahre kennen wir, glaube ich, gar nicht mehr.“ Ein Satz, der weniger Erklärung als vielmehr Zustandsbeschreibung ist.
Gleichzeitig zeigt sich an den Schulen eine vorsichtige Bewegung zurück in Richtung Alltag. Überall wird diskutiert, welche Projekte wieder aufgenommen werden können und was unter den gegebenen Bedingungen überhaupt noch realistisch ist. Es ist ein Abwägen zwischen pädagogischem Anspruch, organisatorischer Machbarkeit und den Erfahrungen der letzten Jahre.
Auch für das kommende Schuljahr geht die Landesschuldirektorin davon aus, dass außerschulische Tätigkeiten wieder stärker stattfinden werden – eine Einschätzung, die allerdings vorsichtig formuliert bleibt.
Im Bereich Personal zeichnet sich laut Bericht ebenfalls eine leichte Entspannung ab: Mehr Studierende in den Bildungswissenschaften sowie Rückkehrer in den Schuldienst könnten das System entlasten. Dennoch bleibt der Bedarf hoch, denn Schulen stehen längst vor komplexeren Anforderungen als nur dem klassischen Unterricht.
Neben der Personalsituation verändert vor allem die Digitalisierung den Schulalltag. Digitale Werkzeuge erleichtern viele Prozesse und unterstützen die individuelle Förderung. Gleichzeitig verändert sich aber auch das Lernverhalten junger Menschen spürbar – insbesondere in Bezug auf Konzentration und Aufmerksamkeit.
So entsteht ein Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und pädagogischer Realität. Die Schule soll moderne Möglichkeiten nutzen, ohne dabei ihren Kernauftrag zu verlieren: Orientierung zu geben und junge Menschen zu befähigen, kritisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen.
Am Ende bleibt ein Schuljahr, das weniger durch Normalität als durch Übergänge geprägt war – und die Frage offenlässt, wie viel „Normalität“ im Bildungssystem überhaupt noch möglich ist.