Kontroverse um Aussagen von Alessandro Urzì nach dem Tod von Josef Fontana

Freiheitliche und Plattform Heimat kritisieren Wortwahl des Kammerabgeordneten scharf und fordern eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Südtiroler Zeitgeschichte.

Die Aussagen des italienischen Kammerabgeordneten Alessandro Urzì im Zusammenhang mit dem Tod des Historikers und ehemaligen BAS-Aktivisten Dr. Josef Fontana sorgen in Südtirol weiterhin für heftige politische Reaktionen. Sowohl die Freiheitlichen als auch die Plattform Heimat innerhalb der SVP werfen Urzì vor, mit seinen Äußerungen eine respektvolle und ausgewogene Auseinandersetzung mit der Geschichte vermissen zu lassen.

Auslöser der Kritik war ein Beitrag Urzìs auf seiner Facebook-Seite mit dem Titel „I terroristi hanno perso, abbiamo vinto noi“ („Die Terroristen haben verloren, wir haben gewonnen“), den er anlässlich des Ablebens Fontanas veröffentlichte. Die Wortwahl stieß bei mehreren politischen Vertretern auf scharfen Widerspruch.

Der Obmann der Freiheitlichen, Roland Stauder, bezeichnete Urzìs Aussagen als Ausdruck mangelnden historischen Verständnisses. Wer mehr als sechs Jahrzehnte nach den Ereignissen pauschal von „Terroristen“ spreche, ohne die damaligen politischen und gesellschaftlichen Hintergründe zu berücksichtigen, blende wesentliche Aspekte der Südtiroler Geschichte aus.

Auch die Plattform Heimat innerhalb der SVP übte deutliche Kritik. Deren Vertreter Michael Epp und SVP-Landessekretär Harald Stauder bezeichneten Urzìs Aussagen als menschlich und politisch unangemessen. In einer gemeinsamen Stellungnahme sprachen sie von einem neuen Tiefpunkt im politischen Stil des Kammerabgeordneten.

Die Plattform Heimat würdigte Josef Fontana als Historiker, Autor zahlreicher Fachpublikationen und profunden Kenner der Südtiroler Regionalgeschichte. Fontana war in den späten 1950er-Jahren Mitglied des BAS und galt als Vertrauter von Sepp Kerschbaumer. Nach seiner Verhaftung im Zuge der Feuernacht setzte er seine akademische Laufbahn fort, promovierte und erhielt im Laufe seines Lebens mehrere Auszeichnungen, darunter die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Neumarkt.

Die Freiheitlichen und die Plattform Heimat sehen in Urzìs Aussagen einen Beitrag zur weiteren Polarisierung der Debatte. Statt historischer Zuspitzungen brauche Südtirol einen respektvollen Umgang mit seiner Vergangenheit sowie einen Dialog, der zum Zusammenleben der Sprachgruppen beitrage. Beide Organisationen weisen die Äußerungen des Kammerabgeordneten daher entschieden zurück und fordern eine differenzierte Betrachtung der Geschichte des Landes.

Im Bild: Josef Fontana