Jugendarbeit ohne Grenzen: Südtiroler Fachkräfte holen Impulse in der Schweiz

Wie können junge Menschen für Demokratie begeistert und gleichzeitig gegen Extremismus und Radikalisierung gestärkt werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich knapp 20 Vertreterinnen und Vertreter der Jugendarbeit aus Südtirol bei einer mehrtägigen Studienreise in die Schweiz. Organisiert wurde die Fahrt vom Bildungshaus Jukas in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugendarbeit.

Ziel der Reise war es, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren, erfolgreiche Praxisbeispiele kennenzulernen und neue Anregungen für die Jugendarbeit in Südtirol zu gewinnen. Die Initiative ging vom Arbeitskreis Fortbildung aus, in dem verschiedene Organisationen und Einrichtungen der Jugend- und Bildungsarbeit vertreten sind.

Ein Schwerpunkt der Reise war der fachliche Austausch mit Jugendarbeitenden im Kanton Graubünden. In Chur standen Fragen der Partizipation und Demokratiebildung im Mittelpunkt. Dabei zeigte sich rasch, dass die Herausforderungen in Südtirol und der Schweiz vielfach ähnlich sind. Unterschiede bestehen vor allem in den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Einig waren sich die Teilnehmenden darüber, dass Jugendarbeit eine wichtige Rolle als Lernort für demokratische Prozesse spielt.

Weitere Stationen führten die Gruppe nach Winterthur und Zürich, wo sie sich intensiv mit Strategien zur Prävention von Extremismus und Radikalisierung auseinandersetzte. Vorgestellt wurden unter anderem innovative Methoden der Bildungsarbeit, wie das Videospiel „Radical Choices: Gaming against Extremism“, das Jugendliche spielerisch für die Themen Radikalisierung und Extremismus sensibilisieren soll.

Fachvorträge und Workshops widmeten sich zudem der Frage, wie Radikalisierungsprozesse insbesondere auf digitalen Plattformen entstehen, welche Warnsignale es gibt und wie Fachkräfte im Arbeitsalltag darauf reagieren können. Ergänzt wurde das Programm durch Einblicke in die Forschung zur Jugendradikalisierung in der Schweiz.

Praxisnahe Erfahrungen sammelten die Teilnehmenden bei Besuchen verschiedener Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit. Im Fokus standen Projekte gegen Hassrede und Diskriminierung, Initiativen zur Förderung von Beteiligung sowie Angebote in Jugendzentren und Quartiertreffpunkten. Auch der Austausch mit dem Zürcher Dachverband der Kinder- und Jugendarbeit bot Einblicke in Projekte zur Jugendpartizipation, zum interreligiösen Dialog und zur Förderung kinder- und jugendfreundlicher Gemeinden.

Eine Teilnehmerin zog ein positives Fazit: Viele Ansätze der Jugendarbeit würden über Ländergrenzen hinweg ähnlich funktionieren, gleichzeitig sei deutlich geworden, wie wichtig es sei, Brücken zwischen unterschiedlichen Generationen und gesellschaftlichen Gruppen zu bauen. Demokratie lebe vom Dialog und vom gegenseitigen Verständnis.

Die Organisatoren sehen die Studienreise als wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Jugendarbeit. Neben zahlreichen fachlichen Impulsen entstanden neue Kontakte und Kooperationen zwischen Südtiroler und Schweizer Fachkräften. Der Austausch soll auch in Zukunft fortgeführt werden.

Im Bild: Transnationaler Austausch