Mit Blick auf die aktuelle Debatte um eine Regelung des medizinisch assistierten Suizids in Südtirol hat Bischof Ivo Muser seine Sorge über die geplanten Entwicklungen zum Ausdruck gebracht. In einer Stellungnahme spricht er sich entschieden gegen die Unterstützung von Suizidwünschen aus und plädiert stattdessen für eine Stärkung der Palliativversorgung sowie für mehr menschliche und seelsorgliche Begleitung schwerkranker Menschen.
Der Bischof betont, dass die Würde des Menschen unabhängig von seinem Gesundheitszustand unantastbar sei. Krankheit, Leid und Sterben nähmen einem Menschen niemals seine Würde. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen Angst vor Schmerzen, Abhängigkeit oder einem langen Sterbeprozess hätten, sei es wichtig, Antworten zu finden, die auf Fürsorge und Unterstützung basieren.
Nach Ansicht Musers darf die Reaktion auf die Not schwerkranker Menschen nicht darin bestehen, ihnen den assistierten Suizid als Ausweg anzubieten. Vielmehr müsse alles unternommen werden, was medizinisch, psychologisch und seelsorgerisch möglich sei, um Betroffenen ein würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Ziel müsse es sein, Leiden zu lindern und die Lebensqualität auch in schwierigen Situationen zu erhalten.
Gleichzeitig verweist der Bischof darauf, dass niemand verpflichtet sei, das Leben um jeden Preis zu verlängern. Medizinische Behandlungen könnten beendet werden, wenn sie keinen therapeutischen Nutzen mehr hätten oder den Sterbeprozess lediglich hinauszögerten. Diese Haltung unterscheide sich jedoch grundlegend von einer aktiven Unterstützung beim Suizid.
Besondere Sorge bereitet Muser die mögliche gesellschaftliche Signalwirkung einer gesetzlichen Regelung. Er befürchtet, dass Menschen in ihrer verletzlichsten Lebensphase zunehmend das Gefühl bekommen könnten, eine Belastung für andere zu sein. Die Gesellschaft dürfe schwerkranke und sterbende Menschen nicht alleinlassen, sondern müsse ihnen Nähe, Begleitung und Solidarität anbieten.
Vor diesem Hintergrund fordert der Bischof einen konsequenten Ausbau der Palliativmedizin. Jeder Mensch mit schweren Schmerzen oder einer unheilbaren Erkrankung müsse Zugang zu einer qualifizierten und umfassenden Betreuung erhalten. Neben der medizinischen Versorgung komme dabei auch der Unterstützung durch Angehörige, Freunde, Seelsorger und ehrenamtliche Helfer eine zentrale Bedeutung zu.
Abschließend spricht Muser allen Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Angehörigen und Freiwilligen seinen Dank aus, die tagtäglich Menschen in Krankheit und am Lebensende begleiten. Sie leisteten einen unverzichtbaren Beitrag für eine Kultur des Beistands und der Menschlichkeit. Sein Appell lautet daher, den Wert jedes menschlichen Lebens zu verteidigen und Bedingungen zu schaffen, die verhindern, dass Menschen den medizinisch assistierten Suizid als letzten Ausweg betrachten.
Im Bild: Ivo Muser